Hinter den Mauern schwelt ein Tarifkonflikt.
Foto: ND/Wolfgang Frotscher
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Vor dem Kino Babylon in Mitte ist erneut Protest geplant – das Mayday-Bündnis, ein Zusammenschluss linker Gruppen, will am Donnerstagabend um 20 Uhr vor dem Kino Filme zeigen, prekarisierte Arbeitsverhältnisse thematisieren und damit dem Arbeitskampf der Beschäftigten in dem Kino neuen Schwung verleihen. »Wir wollen den Angestellten den Rücken stärken«, sagt Carsten Fuchs vom Mayday-Bündnis. Mit dem öffentlichen Druck soll die Geschäftsführung bewegt werden, endlich Verhandlungen über einen Haustarifvertrag aufzunehmen.
Diese Forderung stellt die anarcho-syndikalistische Freie ArbeiterInnen-Union (FAU), die den »Arbeitskampf« selber ausgerufen hat, bereits seit Mitte Juni. Die sich in der Tradition spanischer Basisgewerkschaften sehende Gruppe ruft inzwischen sogar zum »Boykott des Kinos« auf. Zugleich fährt die FAU eine Kampagne, schickt E-Mails und offene Briefe, um politische Entscheidungsträger der Stadt in die Pflicht zu nehmen. Einen Tarifvertrag hat die FAU in der Bundesrepublik bisher allerdings nicht abgeschlossen. Dennoch sei das Bemühen darum ernst gemeint, versichert FAU-Sprecher Lars Röhm.
Bei der Geschäftsführung des Babylon zweifelt man indes weiter an der Rechtmäßigkeit des Ganzen. »Wenn es einen Arbeitskampf gibt, dann gibt es vorher eine Urabstimmung«, sagt Timothy Grossmann, einer der Geschäftsführer des Lichtspielhauses. Aus der Perspektive des Unternehmers ist man zudem der Auffassung, dass die FAU keine Gewerkschaft sei. »Im Tarifregister sind die nicht registriert«, betont Grossmann. Obwohl er grundsätzlich verstehen könne, dass jeder Angestellte mehr Geld verdienen möchte, könne er die Kritik am Babylon nicht nachvollziehen: Schließlich gebe es in ganz Berlin keine Kultureinrichtung in freier Trägerschaft, die einen Tariflohn zahle. Auch andere Aspekte erfülle das Kino. Grossmann zählt die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie Urlaubsgeld auf und hebt die Pünktlichkeit der Lohnzahlungen hervor.
Angesprochen auf die vergleichsweise hohen Förderungen durch den Senat von 320 000 Euro im Jahr rechnet der Geschäftsführer vor, dass davon nach Abzug der Miete, den Gas- und Stromkosten sowie den Reinigungskosten nichts mehr übrig bleibe. »Die Mitarbeiter wissen, dass es nicht mehr Geld gibt«, sagt Grossmann.
Bei der Linkspartei sind derweil ein Haufen standardisierter Protestmails zu dem Tarifkonflikt eingegangen. »Wir haben die beantwortet«, sagt der Vize-Landesvorsitzende Wolfgang Albers. Die LINKE hofft unterdessen, dass der Konflikt gelöst wird – bietet zudem an, diesbezüglich Gespräche zu führen, sei aber kein Tarifpartner, wie Albers betont. Grundsätzlich müsse eben auch ein Mindestlohn für die Beschäftigten im prekären Kulturbereich durchgesetzt werden. Nur fürs Babylon wäre dies jedoch ein Wettbewerbsnachteil.
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