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Von Steffi Bey 27.08.2009 / Berlin / Brandenburg

Ohne Rausch – dafür reißfest

Besucher können sich in Berlins erstem Hanflabyrinth über die alte Kulturpflanze informieren

Mit einem Stempeldruck auf der Hand ist man drin: In einem stattlichen Hanflabyrinth, das aus 160 Kilogramm Saatgut heranwuchs. Nicht mal die Polizei hat etwas dagegen. »Fedora 17« ist eine in der EU zugelassene Nutzhanfsorte, frei von THC (Tetrahydrocannabinol) und somit über jeden Verdacht erhaben, Rauschzustände zu verursachen. Auf einer kleinen Tafel am Eingang ist das zu lesen.

Gleich dahinter stehen die bis zu drei Meter hohen Stängel mit ihren länglichen, gezackten Blättern. Viele Pfade schlängeln sich durch das Grün. Manchmal öffnen sich die Wege zu einer Lichtung, wo es sich wunderbar auf Strohballen ausruhen lässt. Es gibt einen Lehmofen und an einigen Stellen ragen große Schilder in die Höhe. Am Ende kommt man ein bisschen klüger wieder heraus.

Auf Infotafeln werden Anbau und Ernte, Vor- und Weiterverarbeitung sowie die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten des Hanfes dargestellt. Martin Luther hat beispielsweise seinen Husten einst mit einem »absud aus hellig« – so nannte man damals weibliche Hanfpflanzen – kuriert.

»Wir möchten dieser Kulturpflanze, die schon vor 10 000 Jahren in China genutzt wurde, wieder den Stellenwert einräumen, den sie verdient«, sagt Rolf Ebbinghaus, Direktor des Berliner Hanf Museums. Die Pflanze sei ein nachwachsender und äußerst vielseitig einsetzbarer Rohstoff: Lang reißfest und haltbar. Schon im 17. Jahrhundert wurden daraus Segel, Seile, Netze und Textilien gefertigt. Henry Ford präsentierte 1941 ein Auto, das »auf dem Acker wuchs«. Die Karosserie bestand größtenteils aus Hanf, der Motor verbrannte Hanfdiesel.

Erst Mitte des 20. Jahrhunderts verdrängten Kunstfasern in der Textilindustrie den Hanf, unterstützt von der Anti-Cannabis Kampagne der USA. In vielen Staaten wurde eine Hanfprohibition verhängt. »1971 verbot auch Deutschland die Verwendung von Cannabis und stellte später sogar den Anbau von Hanf unter Strafe«, erklärt Ebbinghaus. Doch mit der Suche nach nachwachsenden Rohstoffen sei das Interesse an der Nutzpflanze wieder gestiegen.

»Seit 1996 darf bei uns legal Nutzhanf mit einem Wirkstoffgehalt von unter 0,3 Prozent THC angebaut werden«, sagt der Museums-Direktor. In vielen Bereichen der Wirtschaft kommt die Nutzpflanze wieder zum Einsatz. So auch das Treptower Grün. Nach der Ernte wird es an die Hanf-Faser-Fabrik Prenzlau geliefert und zu Fasern und Dämmstoffen verarbeitet.

Die Idee zu Berlins erstem Hanflabyrinth hatten das Hanf-Museum, Freiwillige und ein Brandenburger Landwirt. Von den »Späth'schen Baumschulen« wurde das rund zwei Hektar große Grundstück gestellt. Nicht ohne Eigennutz: Denn durch den Hanfanbau kann das brach liegende Feld schneller wieder für den Anbau anderer Kulturpflanzen genutzt werden. »Hanf fördert die Regeneration belasteter Böden«, sagt Matthias Meyer vom Hanfwerk.

Inzwischen haben sich auch die meisten Anwohner an das Lehrpfad-Labyrinth gewöhnt. Viele waren zunächst skeptisch, was wohl für Leute davon angezogen werden. Auch Polizeistreifen hielten anfangs verwundert an.

Späthstraße 111-120, bis 30.10., tägl. 10 bis 19 Uhr. Eintritt 5/3 Euro, www.hanflabyrinth-berlin.de

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