Das »schlimmste Ergebnis für die Region seit 72 Jahren« alarmiert der jüngste Bericht des UN-Wirtschaftsbüros, der zu Wochenbeginn vorgestellt wurde. Rückblickend sei in der ersten Jahreshälfte »ähnliches passiert wie in Europa, den Vereinigten Staaten und auch in China, wo der Handel um 25 Prozent einbrach«, blickt der CEPAL-Direktor für Internationalen Handel, Osvaldo Rosales, zurück. Ursachen seien der starke Nachfragerückgang, der Preisverfall einiger Rohstoffe und Schwierigkeiten bei der Finanzierung des Handels, so das 160-Seiten-Papier. Die Preise auf Ausfuhrgüter wie Agrarerzeugnisse, Mineralien und Öl seien 2009 um 29 Prozent gesunken. Besonders hart trifft es erdöl- und mineralienexportierende Staaten wie Venezuela, Ecuador, Kolumbien und Bolivien, wo sich das Verhältnis von Ex- zu Importpreisen um etwa 33 Prozent verschlechterte.
Bis Ende des Jahres werden auch die Exporteinnahmen des Kontinents um 25 Prozent eingebrochen sein. Die Importbilanz ist bereits in den Keller gerutscht – 14 Prozent weniger Einfuhren während des ersten Halbjahres.
Nach unten korrigieren mussten die Wirtschaftsstatistiker auch ihre Prognose zum Rückgang der regionalen Wirtschaftsleistung. Noch im April sagten sie eine schwache Abnahme von 0,3 Prozent voraus. Die neue Schätzung geht von minus 1,7 Prozent aus.
Die Rezession trifft die südamerikanischen Volkswirtschaften in einem Moment zunehmender Unabhängigkeit und Stabilität. »Der günstige Wirtschaftszyklus von 2003 bis 2007« habe dazu geführt, dass »die Region wegen ihrer makroökonomischen Stärke den Aus- wirkungen der Krise besser widerstehen konnte als in der Vergangenheit, versucht CEPAL-Analystin Alicia Bárcena dem Bericht Positives abzugewinnen.
Die Weltbank sagt offen, was die Schrumpfung der Wirtschaft bedeutet: »Ein Prozent Minuswachstum in den Entwicklungsländern führt unter Umständen zu weiteren 20 Millionen Menschen, die wieder in die Armut zurückfallen«. Für Lateinamerika und Karibik – von Mexiko bis Feuerland leben 180 Millionen Arme, davon die Hälfte Kinder – bringt die Krise noch mehr Misere. Die angestiegene Arbeitslosigkeit führe 2009 zu fünf Millionen mehr Armen. Weil soziale Sicherungen fehlen, bedeutet das oft auch Hunger.
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