Performance vor dem Statthaus Böcklerpark
Foto: Dirk Merkel
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Es ist einfach zu heiß. Der Streetball-Platz liegt verlassen da, eher lustlos spielen zwei Jugendliche Tischtennis. Dafür ist das schattige Gartencafé, betrieben vom Kernbeißer Kollektiv e.V., am späten Nachmittag ein beliebter Anlaufpunkt, die Bänke gut gefüllt. Auf den ersten Blick scheint alles in bester Ordnung zu sein im Statthaus Böcklerpark, dem multikulturell geprägten Jugend- und Nachbarschaftszentrum in Kreuzberg. Doch bei den ohnehin überlasteten Mitarbeitern machen sich Angst und Frust breit: Niemand weiß, wie die Zukunft aussieht.
Hintergrund ist der Plan des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, ab Januar nächsten Jahres sämtliche kommunalen Kinder- und Jugendeinrichtungen an freie Träger zu übergeben, um Geld zu sparen. Denn im kürzlich beschlossenen Entwurf für den Doppelhaushalt 2010/2011 klafft eine erhebliche Finanzlücke. Laut Finanz- und Kulturstadträtin Sigrid Klebba (SPD) fehlen allein für das Jahr 2010 rund 6,7 Millionen Euro. Betroffen von den Übertragungsplänen sind in erster Linie die 55 Mitarbeiter der Kinder- und Jugendeinrichtungen: Wie viele bei einem freien Träger – etwa einem Verein – unterkommen würden, steht ebenso wenig fest wie die Zahl derer, die im Stellenpool des Landes landen. Und auch die Meinungen über die Höhe der Summe, die der Bezirk spart, gehen auseinander. Zwar würde künftig das Land die Personalkosten von rund drei Millionen Euro übernehmen müssen, dafür kämen für den Bezirk aber die Zuschüsse an die freien Träger hinzu.
Die BVV muss dem Etat noch zustimmen, angesichts der Sparvorgaben durch den Senat besteht aber kaum Handlungsspielraum. Klar ist nur, dass die Übertragungen nicht bereits zum 1. Januar 2010 durchgeführt werden können, so Klebba. Erst müssen passende freie Träger gesucht werden, Personalfragen geklärt und Bedingungen formuliert werden. »Der Bezirk steht hier in einer besonderen Verantwortung«, erklärt die Finanzstadträtin und stellvertretende Bezirksbürgermeisterin.
Die Mitarbeiter im Statthaus sorgen sich um ihre persönliche Zukunft, vor allem aber um die ihres Projekts. Die idyllische Lage zwischen Landwehrkanal und Böcklerpark, der Streichelzoo mit den friedlich mümmelnden Kaninchen und die entspannte Atmosphäre lassen bisweilen vergessen, dass die Gegend rund um Prinzenstraße und Kottbusser Tor als Problemkiez gilt: hohe Arbeitslosigkeit, hohe Kinderarmut, hohe Kriminalitätsraten.
Umso bemerkenswerter ist der gute Ruf, den das Statthaus Böcklerpark genießt. 1982 aus einem so genannten »Haus der Jugend« hervorgegangen, die in den 50er und 60er Jahren überall in Berlin errichtet wurden, hat es sich zu einem veritablen Jugend-, Kultur- und Nachbarschaftszentrum mit breit gefächertem Angebot und ebenso heterogener Besucherschaft gemausert, wobei die Veranstaltungen teils selbst, teils in Kooperation durchgeführt werden.
Neben Workshops sowie Tanz-, Näh-, Bastel oder Internetkursen gibt es einen Kinderbereich mit Toberaum und Klettergerüst, Jugendliche treffen sich im Sommer zum Streetball- oder Tischtennisspielen und in der kälteren Jahreszeit zu Billard, Kicker oder zum Quatschen. Es gibt einen großen Saal, der als Theater-, Tanz und Konzerthalle benutzt wird, aber auch für die zweimal jährlich stattfindende Wrestling-Show oder die monatliche Rollstuhl-Disco des Vereins Lebenshilfe e.V. Dazu gibt es den hellen und luftigen Wintergarten und so viele Innen- und Außenräume, dass man leicht den Überblick verlieren kann.
Rund 350 überdachte Quadratmeter umfasst der Bungalowbau aus der Nachkriegszeit, dazu kommen die Außenbereiche. Erst im Frühjahr wurde kräftig renoviert, gepflanzt und repariert, alles von einem Sponsor. Doch für die sechs Mitarbeiter – zwei für die Jugendlichen, drei für die Kinder und ein koordinierender Chef – bedeutet das Statthaus Böcklerpark vor allem viel Engagement und Arbeit. Ohne freie Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer wäre ein solch breites Angebot nicht zu stemmen, erzählt Erzieherin Sibel Koyak; immerhin kommen zu den Abendveranstaltungen bis zu 800 Leute, und auch die Freizeitaktivitäten und die Projektarbeit tagsüber müssen organisiert, betreut, begleitet werden. Ob ein freier Träger bereit ist, so viele Projekte zu fördern, bleibt dahingestellt.
Statthaus Böcklerpark, Prinzenstr. 1, Kreuzberg; geöffnet Di.-So. 15-22 Uhr, Tel. 22 19 53 21
19:30 Uhr, Berlin
Preis: 12,90 €
Preis: 25,00 €