Von Olaf Standke
02.09.2009

Eisiger Gegenwind für Ban Ki Moon

Scharfe Kritik an UN-Generalsekretär

Der gestrige Abstecher in die Arktis habe ihn bei seinem Besuch in Norwegen besonders gereizt, so Ban Ki Moon. Politisch hat der UN-Generalsekretär dagegen mit eisigem Gegenwind zu kämpfen: Er muss sich gegen Vorwürfe aus Oslo wegen seines Führungsstils und seiner Erfolglosigkeit wehren.

Die Kritik ist nicht neu. Schon im März bemängelte etwa die Londoner »Times«, dass die Vereinten Nationen in einer Welt, die unter globalen Wirtschafts-, Umwelt- und Sicherheitsproblemen leidet und dringend multilaterale Lösungen braucht, zwar wichtiger denn je seien, sich unter ihrer derzeitigen Führung aber leider als »Kleindarsteller« präsentierten. »Von Ban Ki Moon war zu internationalen Sicherheitsfragen praktisch nichts zu hören. Bis jetzt war er auch wenig effektiv in der dringlichen Frage des Klimawandels. Und er hat fast nichts zu der Wirtschafts- und Finanzkrise zu sagen, wodurch ein Vakuum entsteht, das nun von den G 20 gefüllt wird.« Noch undiplomatischer formuliert waren die Vorwürfe gegen den obersten Diplomaten der Weltorganisation, die die Osloer Zeitung »Aftenposten« vergangene Woche unter Berufung auf einen internen Report der norwegischen UN-Botschaft öffentlich machte.

»Rückgratlos« und »uncharmant« sei Ban, ihm fehle, was alle Welt an seinem Vorgänger Kofi Annan so schätzte – Charisma. Dafür wolle er ständig im Mittelpunkt stehen, Medienkontakte habe er zu seiner Exklusivangelegenheit erklärt. Zudem traktiere er seine Umgebung mit »Wutausbrüchen«, die selbst die erfahrensten Mitarbeiter nur schwer ertragen könnten. Dadurch sei die Atmosphäre im UN-Sekretariat »weniger als motivierend«.

Dieser schlechte Führungsstil finde seine Entsprechung in den mangelhaften politischen Ergebnissen in den zweieinhalb Jahren der Ära Ban Ki Moon, der als Mann Washingtons galt, als er am 1. Januar 2007 sein Amt antrat. So sei der Generalsekretär jüngst auch mit seiner Visite in Myanmar gescheitert; mehr noch, er habe die Arbeit des zuständigen UN-Sonderbeauftragten und die Bemühungen um die arretierte Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi sogar erschwert. Der Besuch im vom Bürgerkrieg geplagten Sri Lanka im Mai habe ihn als »machtlosen Beobachter« bloßgestellt, ohne »moralische Stimme und Autorität«. Auch in anderen Krisengebieten stoße er auf taube Ohren, ob nun in Darfur, Somalia, Simbabwe oder Pakistan.

Geschrieben hat das Mona Juul, und sie weiß, wovon sie redet. Die 50-Jährige, verheiratet mit dem langjährigen hohen UN-Beamten Terje Rød-Larsen, zählt zu den profiliertesten Repräsentanten der norwegischen Friedensdiplomatie und war unter anderem hinter den Kulissen maßgeblich am Osloer Nahostfriedensprozess beteiligt. Und Beobachter im UN-Hauptquartier in New York wissen zu berichten, dass sie mit ihrem vernichtenden Urteil nicht allein steht.

Ban wehrt sich. Er sei sich bewusst, dass er ständig unter Beobachtung stehe und auch kritisiert werde, sagte er nach einem Treffen mit dem norwegischen Regierungschef Jens Stoltenberg in Oslo. Er akzeptiere Kritik, wenn sie konstruktiv sei – verbiegen lassen wolle er sich aber nicht. »Ich habe meinen eigenen Führungsstil und mein eigenes Charisma«, sagte der UN-Generalsekretär auf einer Pressekonferenz und verwies auf seine Verhandlungserfolge. Beispielsweise habe er die Militärregierung in Myanmar nach den Verwüstungen durch den Zyklon »Nargis« dazu überreden können, Beschränkungen für humanitäre Hilfe aufzuheben. Er verstehe sich als »harmonischer Brückenbauer«.

Beschädigt ist er nach dieser Ohrfeige aber allemal, obwohl sich nur bestätigt, was Kritiker schon bei seiner Nominierung bemängelten. »Glatter Aal« wurde Südkoreas einstige Außenminister wegen seiner Art zu Hause genannt. Für die ständigen Mitglieder im Weltsicherheitsrat mag gerade diese Formbarkeit und Unverbindlichkeit ein wichtiger Grund für die Auswahl gewesen sein. Die Chancen auf eine zweite Amtszeit allerdings scheinen für Ban schon jetzt erheblich geschrumpft. Wichtiger aber ist, dass die gesamten Vereinten Nationen unter dieser Führungsschwäche zu leiden drohen, ob kurzfristig mit Blick auf die bevorstehenden Sondergipfel zu Abrüstungs- und Klimafragen oder längerfristig angesichts der dringend notwendigen, aber weiter blockierten Reform des Sicherheitsrates und der gesamten UNO. Wobei entscheidende Verantwortung dafür und für multilaterale Krisen- und Konfliktlösungen natürlich auch bei den Mitgliedsländern, zumal den mächtigen liegt.