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Von Anne Britt Arps
05.09.2009

Ein Dach über dem Kopf

Obdachlosenmagazin »strassenfeger« feiert heute seinen 15. Geburtstag

Das Obdachlosenmagazin »strassenfeger« wird 15. Aus diesem Anlass organisiert der Verein »mob – obdachlose machen mobil«, der die Zeitung herausgibt, heute ein großes Fest auf dem Helmholtzplatz. »Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten«, beschreibt Andreas Düllick, Redaktionsleiter des »strassenfeger«, den Gründungsgedanken des Vereins.

Seit 1994 setzt sich dieser für obdachlose Menschen ein, von denen es in Berlin nach Schätzung des Vereins zwischen 10 000 und 12 000 gibt. 80 bis 100 Menschen verkaufen regelmäßig das vierzehntägig erscheinende Magazin in Berlin und Brandenburg, zwei Drittel des Erlöses können sie behalten. »Zu den Verkäufern gehören Wohnungslose, Alkohol- und Drogenabhängige, aber auch ganz normale Hartz-IV-Empfänger, die sich etwas dazu verdienen wollen«, sagt Helmut Cladders, der die Zeitung am Ostbahnhof und am Zoo an die Verkäufer ausgibt. »Es gibt viele, die verdienen 70 bis 80 Euro am Tag.« Daneben können die Verkäufer aber auch eigene Beiträge für die Zeitung schreiben. »Vom Obdachlosen bis zum Hochschulabsolventen kommen hier sehr unterschiedliche Sichtweisen zu Wort«, so Düllick.

Gegründet wurde der Verein 1994. Damals bestand er aus dem Zeitungsprojekt und einer Notübernachtungsstelle. Doch mit den Jahren ist er stetig expandiert. Nach mehreren Umzügen hat er seinen Sitz heute in einer ehemaligen Fabrikhalle in der Prenzlauer Allee 87. Dort sind ein Café, eine Notübernachtungsstelle mit Aufenthaltsraum, die Redaktionsräume und ein Trödelprojekt untergebracht. »120 bis 150 Leute kommen täglich hierher, zum essen, im Internet zu surfen oder einfach nur, um sich auszutauschen«, sagt Vereinsvorsitzender Lothar Marquart. Die Besucher können zudem verschiedene Beratungsangebote wahrnehmen oder sich an andere Hilfseinrichtungen weitervermitteln lassen.

Der Verein arbeitet unabhängig von staatlichen Geldern, worauf die Mitarbeiter großen Wert legen »Eine staatliche Unterstützung ist immer befristet.« Doch noch eine andere Überlegung spielt für den Verzicht eine Rolle: »Wir sind nicht verpflichtet, Angaben über unsere Besucher an die Behörden weiterzugeben. Einige Leute würden sonst gar nicht zu uns kommen«, sagt Düllick. Damit die Besucher ihrer Notübernachtung sich auf Dauer wieder an ein Dach über dem Kopf gewöhnen können, wollen die gut 30 Vereinsmitglieder in Zukunft betreute Wohngemeinschaften schaffen, finanziert durch eine Stiftung, die sich derzeit in Gründung befindet.

Von 10 bis 22 Uhr gibt es auf dem Helmholtzplatz ein buntes Kulturprogramm mit Bands, Kinderspielen sowie Essen und Getränken.

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