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Von Hans-Gerd Öfinger 09.09.2009 / Wirtschaft

Kahlschlag bei der Güterbahn

DB-Vorstand will beim Güterverkehr sparen – Stellenabbau inklusive

Der Konflikt um den befürchteten Kahlschlag bei der Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn (DB), DB Schenker Rail, wird heute den Aufsichtsrat beschäftigten. Die Arbeitnehmervertreter erwarten dabei Klarheit über Meldungen, wonach der Vorstand unter dem neuen Vorsitzenden Rüdiger Grube eine Schließung von Güterverkehrsstellen und den Abbau von bis zu 7000 Stellen plant.
Entgleister Güterzug – schlechtes Omen für die g
Entgleister Güterzug – schlechtes Omen für die ganze Sparte?

Im Vorfeld der Sitzung kritisierten die Gewerkschaften im DB-Aufsichtsrat die Manager heftig: Transnet-Sprecher Michael Klein bescheinigt dem Bahnvorstand eine »eingeschränkte Kreativität«. GDBA-Vorstandsmitglied Gerfried Scholtz forderte »neue Denkansätze«. Arbeitsplatzabbau und Kahlschlag seien keine Lösung: »Für den Vorschlag, Mitarbeiter zu entlassen, um Geld zu sparen, brauchen wir keine hoch bezahlten Manager«, so Scholtz.

Noch Mitte vergangener Woche hatte DB Schenker Rail festgestellt, es gebe »keine Streichliste«. Betriebsbedingte Kündigungen seien durch eine bis Ende 2010 laufende Vereinbarung ausgeschlossen. DB-Chef Grube wurde kürzlich allerdings mit der Aussage zitiert: »Ja, wir werden strukturell anpassen. Ja, es wird eine große Zahl sein. Ja, es wird in diesem Jahr konkret zu diskutieren sein.«

Der DB-Schenker-Rail-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jörg Hensel, der dem DB-Aufsichtsrat angehört, hatte bereits im Frühjahr gesagt, die von den Betriebsräten gereichte Hand werde sich »zur Faust ballen, wenn die Krise genutzt werden soll, Profit auf Kosten der Beschäftigten zu erzielen.« Sein Kollege Alfred Lange, Betriebsratsvorsitzender in der Niederlassung Frankfurt am Main, warnte vor den langfristigen Folgen der Sparpläne. Was als »temporäre« Schließung von Güterverkehrsstellen angekündigt werde, ende meist mit der kompletten Stilllegung und besiegele den weiteren Rückzug aus der Fläche. In seinem Bereich drohe den Güterbahnhöfen Koblenz-Lützel und Bebra das Aus – bis zu 100 Arbeitsplätze seien gefährdet. Wer Strukturen zerstöre, sei für eine mögliche Konjunkturverbesserung nicht gerüstet, so Lange.

Grube beklagt einen krisenbedingten Rückgang der Transportleistungen im Güterverkehr um rund 25 Prozent im ersten Halbjahr 2009 und hält es für möglich, dass die Zahl der Kurzarbeiter bis zum Jahresende auf 10 000 ansteigt. Kritiker wie Lange hingegen fordern eine Offensive der DB-Güterbahn, um Kunden zurückzugewinnen und den Schienengüterverkehr wieder im Nah- und Regionalbereich zu verankern. Die vorhandenen Facharbeiter könnten das derzeit unbenutzte Material auf Vordermann bringen. Der Betriebsrat warnte zudem vor angedachten Ausgründungen zur Bildung von Tochtergesellschaften für den Transport von Kohle, Erz oder Stahl. Damit würden »Filetstücke« geschaffen, die sich leicht verkaufen ließen. Eine Güterbahn nur über Fernverkehrsachsen sei auch aus sozialer und ökologischer Sicht eine Katastrophe, so Lange, der von Transnet ein offensiveres Vorgehen verlangt.

Der drohende Rückzug der Bahn aus dem Güterverkehr in der Fläche ist vor allem eine Folge des Privatisierungsdrucks und des Bestrebens, hohe Renditen im weltweiten Logistikgeschäft zu erzielen. DB Schenker Rail bezeichnet sich als »die größte europäische Güterbahn« und hat sich im Juli mit dem Kauf der größten privaten polnischen Güterbahn PCC Logistics weiter vergrößert.

Die Pläne Grubes sind Teil des Programms »React 09«, mit denen die Ausgaben von 2013 an jährlich um rund zwei Milliarden Euro gekürzt werden sollen. Im Güterbereich ist es eine logische Fortsetzung von »MORA C«, einem Programm, mit dem Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn seit Anfang des Jahrzehnts den Rückzug aus der Fläche vorangetrieben hatte.

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