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Von Katharina Zeiher 12.09.2009 / Berlin / Brandenburg

Linke Wissenschaft unerwünscht

Im Streit um Juniorprofessur an der FU wird Albert Scharenberg nicht nominiert

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Mitten in der Sommerpause, wenn die Gänge der Freien Universität noch leer sind, kommt die Meldung. In der unendlichen Geschichte um die Besetzung einer Juniorprofessur am John-F.- Kennedy-Institut (JFK) für Nordamerikastudien hat der Fachbereich dem Präsidium die Nominierungen vorgelegt. Zwei Namen stehen auf der Liste, die der FU-Präsident im August an den Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner zur Befürwortung weitergeleitet hat. Doch der Name Albert Scharenberg, der zunächst als ideale Besetzung galt, fehlt – Grund ist offensichtlich politisch motivierter Druck seitens des FU-Präsidiums.

Nahezu dreieinhalb Jahre dauert der Streit um die Besetzung der Juniorprofessur für nordamerikanische Innenpolitik nun schon. 2007 hatte die damalige Berufungskommission Scharenberg, der lange Jahre an der FU lehrte, auf Platz eins ihrer Liste gesetzt. Wie bei Berufungen üblich, ließ die Kommission ihre Vorschläge zunächst von Instituts- und Fachbereichsrat bestätigen und leitete ihre Nominierungen danach an die Uni-Leitung weiter. Doch Präsident Dieter Lenzen übermittelte die Liste nicht an den zuständigen Senator, sondern verlangte vom Fachbereich, die Stelle neu auszuschreiben – mit der Begründung, der Kandidat sei im Hinblick auf sein Alter (damals 42) nicht ausreichend wissenschaftlich qualifiziert.

Nicht nur der Kandidat, auch Studierende sind indes sicher, dies seien vorgeschobene Gründe und Scharenberg dem Präsidium politisch »nicht genehm«, so Yuca Meubrink und Sarah Hostmann, die als studentische Vertreterinnen im JFK-Institutsrat sitzen. Scharenberg ist in der linken Rosa-Luxemburg-Stiftung aktiv, wissenschaftlich arbeitete er unter anderem zur afroamerikanischen Bewegung. Dazu kommt, dass das Präsidium gar nicht die Kompetenz besitzt, über die Qualifikation von Bewerbern zu entscheiden. »Der Fall ist exemplarisch für die zunehmende Entdemokratisierung universitärer Entscheidungsprozesse und die Machtkonzentration im Präsidium«, urteilen denn auch die Studierendenvertreterinnen.

Angesichts heftiger Proteste gegen die Einflussnahme der Uni-Leitung im »Fall Scharenberg«, unter anderem in einem offenen Brief von über 200 namhaften Wissenschaftlern, zauberte die Uni-Leitung schließlich eine neue Begründung aus dem Hut. Nun hieß es, Mitglieder der Berufungskommission seien befangen – ein Vorwurf, der naturgemäß schwer zu widerlegen ist. Das Berufungsverfahren wurde Mitte 2008 aufgerollt. Die gleichen Kandidaten mussten sich erneut vorstellen, diesmal allerdings vor einer teilweise neu besetzten Kommission. Nicht nur wurde die Zahl der FU-Professoren in dem Gremium von vier auf fünf erhöht, auch wurden drei der Plätze mit neuen Wissenschaftlern besetzt. Und auch die Professoren, die blieben, änderten ihre Meinung über den Kandidaten.

Über ein Jahr dauerte das zweite Berufungsverfahren, trotz identischer Kandidaten – ein »unbegreiflicher Vorgang«, meinen Meubrink und Hostmann. Beobachter erzählen, dass die Kommission einfach monatelang nicht gearbeitet habe. Scharenberg vermutet eine »strategische Verschleppung«: »Man hat wohl darauf gesetzt, dass es irgendwann keinen mehr interessiert.« Die Studierenden wollen indes weiter gegen die Besetzungspolitik an ihrer Hochschule protestieren.

Scharenberg rechnet in der nächsten Zeit mit einer Entscheidung des Wissenschaftssenators. Große Hoffnungen macht er sich aber nicht mehr: »Zöllner ist abgetaucht«, meint Scharenberg und auch die Studierenden haben auf ihre Protestbriefe nie Antwort von dem Senator erhalten. Sollte Zöllner der Nominierungsliste zustimmen, bliebe Scharenberg als letzte Möglichkeit eine Klage gegen die Entscheidung.

FU-Präsident Dieter Lenzen schlägt übrigens vor, den Universitäten mehr »Autonomie« bei der Berufung von Professoren zuzugestehen: In einem Artikel der »Berliner Zeitung« forderte er, den Umweg über den Wissenschaftssenator bei der Bestätigung der Kandidatenliste gleich ganz wegzulassen. Zur Personalie Scharenberg wollte sich das FU-Präsidium gestern kurzfristig gegenüber dieser Zeitung nicht äußern.

Albert Scharenberg ist Redakteur der Zeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik und im Beirat der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Der Politikwissenschaftler und Historiker lehrte zehn Jahre an der FU.



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