152 Proben von Tätowier- und Permanentfarben aus Schweizer Tatoo-Studios ließ das Schweizer Bundesamt für Gesundheit analysieren. Resultat: Nur jede fünfte Tätowierfarbe entspricht den gesetzlichen Vorschriften der Schweiz. Vier von fünf Proben enthalten Stoffe, die nicht zugelassen sind und Allergien sowie Entzündungen auslösen können. Einzelne gelten auch als krebserregend.
Bei 62 Proben (41 Prozent) untersagten die Behörden wegen akuter Gesundheitsgefährdung jede weitere Verwendung. Im Einzelnen fanden sich in 35 Proben unerlaubte Farbstoffe und in 22 Fällen unzulässige Konservierungsstoffe. 12 fabrikfrische Farben und 23 geöffnete Farbbehälter enthielten zudem Keime, die Infektionen verursachen können.
Für den Tätowier-Experten Prof. Dr. Reinhard Dummer, Vizechef der Dermatologischen Klinik am Unispital Zürich, kommt dieses Resultat nicht unerwartet. Nach seiner Erfahrung führen gerade die Farbpigmente, welche die Tätowierer per Nadel in tiefe Hautschichten einbringen, häufig zu Komplikationen. Der Dermatologe fordert daher regelmäßige staatliche Kontrollen der Farbstoffe. Zudem sollten die Hersteller ihre Rezepturen offenlegen müssen. Bisher pochten viele Produzenten auf die Geheimhaltung. »Wer sich ein Tattoo stechen lässt, trägt diese Substanzen schließlich ein Leben lang im Körper«, erklärt Dummer. Heikle Stoffe könnten in Tätowierfarben daher viel länger Schaden anrichten als etwa in Lebensmitteln. Das Risiko hält Dummer für beträchtlich: »Viele Tattoos sind Zeitbomben.«
Laut Experten verwenden viele deutsche Tätowierstudios die gleichen Tätowierfarben wie ihre Schweizer Kollegen. Dieser Markt ist international. Erst seit Mai gelten in Deutschland erstmals besondere Bestimmungen zum Gebrauch von Tätowierfarben und Permanent Make-up. Unter anderem sind nun viele Inhaltsstoffe verboten, etwa die Krebs erzeugenden Azofarbstoffe oder das allergene p-Phenylendiamin. Ob sich die Tätowierer an die neuen Regeln halten und nun nur noch zugelassene Farben verwenden, ist fraglich. Dem Bundesamt für Verbraucherschutz liegen laut einem Sprecher »keine Informationen zu aktuellen Untersuchungen« vor.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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