Von René Gralla
19.09.2009

Ergrauende Klötzchenstapler

LEGO produziert fortan neben den berühmten Bausteinen auch Spiele

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Das Lächeln des vietnamesischen Flohmarkthändlers glaube ich beinahe körperlich im Nacken zu spüren. Im Schneidersitz hocke ich vor einer Grabbelkiste und wühle mich durch LEGO-Steine. Findet der mich peinlich? Ich habe einen triftigen Grund, in derlei Kinderkram zu wühlen: Ich möchte mir ein Chinaschach-Spiel zusammensetzen. Doch der Spaß, den ich hinterher zu Hause beim Sichten meiner Schnäppchen empfinde, lässt mich stutzen: Sind das die ersten Anzeichen einer infantilen Regression?

Ein Blick in den aktuellen Katalog des dänischen Herstellers beruhigt. Ich bin nicht allein! Unter »LEGO Spiele« sehe ich dort Bilder von Angehörigen meiner Generation, die geradezu selbstbewusst im Kreise aufgeweckter Kinder an bunten Installationen hantieren.

LEGO wird offenbar erwachsen. Stellen sich die cleveren Dänen bereits auf den demografischen Wandel ein, indem sie für eine ergrauende Zielgruppe »ernsthafte Gesellschaftsspiele« herausbringen statt des nächsten Space-Shuttle-Bausatzes? »Nein«, versichert Marketingdirektorin Evelyn Wurster im ND-Gespräch. Das »LEGO-Universum« werde »lediglich um eine weitere Facette« erweitert: um Spiele, bei denen am Ende einer der Sieger ist.

Bei Creationary sollen sich die Spieler als Freizeitarchitekten und Konstrukteure profilieren. Der schöpferische Gedanke ist das Primäre: Die Mitspieler vergeben Punkte – in dem Maße, wie überzeugend konkrete Aufgaben gelöst werden.

Auch in Minotaurus (Foto: Hersteller) bringt cleveres Stöpseln und Verkeilen manchen Gegner zum Verzweifeln: Geschicktes Würfeln sprengt den eigenen Spielfiguren die Mauer aus dem Weg durch das Labyrinth zum zentralen Tempel. Und lässt die Konkurrenz schließlich in eine Sackgasse rennen.

Als Berater hat LEGO den preisgekrönten Spieleautor Reiner Knizia verpflichtet, der sein Schatzsuchspiel Ramses Pyramid beisteuerte. Diese Reise nach Ägypten für Spieler ab acht Jahre demonstriert exemplarisch ein Plus der jetzt gestarteten Reihe im Vergleich zu herkömmlichen Brett- und Gesellschaftsspielen. Das Material animiert dazu, Varianten zu erfinden, sogar die Würfel können mit aufsteckbaren Plättchen verändert werden.

Auch mich inspiriert das Spiel nach dem Auspacken sofort: Ein paar chaotisch herumliegende Blöcke werden umgeschichtet zu sauber gefugten Bollwerken – und schon wachsen sie empor, zwei zünftige Festungen für mein neues Chinaschach-Spiel.

Meine Mitbewerber werden staunen, wenn ich zum Saisonauftakt der Chinaschach-Asienliga im Oktober in Hannover meine eigene Edition mitbringe.

www.lego.com

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