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Von Martin Ling 22.09.2009 / Nord-Süd

Arme haben in Pittsburgh keine Stimme

Sie bleiben in Pittsburgh außen vor: Wenn ab Donnerstag beim G20-Gipfel über Mittel und Wege beraten wird, wie künftige Finanzkrisen eingedämmt werden können, während die aktuelle gerade eine Atempause einlegt, sitzen viele der Betroffenen nicht einmal indirekt über ihre Regierungen am Tisch: Zum Beispiel die weit über 300 000 Kongolesen, die ihren Job im Rohstoffsektor verloren haben, oder die weit über 200 000 Beschäftigten in der Textilindustrie Kambodschas, die längst auf der Straße stehen.

Der Appell von Weltbank-Chef Robert Zoellick, nicht nur über Finanzmärkte und Bonuszahlungen, sondern auch über Umweltschutz und Entwicklungshilfe zu sprechen, ist löblich. Dass er erhört wird, ist freilich unwahrscheinlich. Schließlich ist bisher nichts aus der Forderung von Entwicklungsexperten geworden, wenigstens ein Prozent aus den nationalen Konjunkturprogrammen zur Unterstützung der Ärmsten der Armen in den Süden fließen zu lassen. Erst vor wenigen Tagen hatte die Weltbank erneut Alarm geschlagen: 89 Millionen Menschen würden infolge der Wirtschaftskrise unter die absolute Armutsschwelle von 1,25 US-Dollar abrutschen. Eine statistische Konsequenz, die real viele Menschenleben kosten wird. 43 der ohnehin ärmsten Entwicklungsländer werden laut Weltbank längerfristig unter den Folgen der Wirtschaftskrise leiden – ohne auch nur ein Jota zu ihrem Entstehen beigetragen zu haben. Derweil fehlen der UNO allein für die Nothilfe im laufenden Jahr 5 Milliarden Dollar, mehr als die Hälfte des geplanten Etats, weil die krisengebeutelten reichen Staaten knausern. Notleidende Menschen sind schließlich nicht systemrelevant. Die »verantwortungsvolle Globalisierung«, die Zoellick anmahnt, wird in Pittsburgh eine Schimäre bleiben.

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