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Foto: Gendreck weg
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Christian Pratz hätte brav die 195 Euro Strafe zahlen können. Dann wäre die Sache erledigt gewesen. Statt dessen geht er ab heute zwei Wochen lang ins Gefängnis. Denn sonst würde kaum jemand mitbekommen, dass der 27-jährige Student so etwas wie ein freiwilliger Feuermann ist, der fürs Löschen bestraft wird. Gemeinsam mit rund 80 Aktivisten der Initiative »Gendreck weg« hatte er vor zwei Jahren einen Teil des Genmaises MON 810 auf einem Feld in Brandenburg ausgerissen und damit im Grunde große Weitsicht bewiesen. Die Sorte wurde inzwischen von Agrarministerin Ilse Aigner wegen ihrer »Gefahr für die Umwelt« verboten.
Wenn Pratz heute Mittag seine Haft in der JVA Kassel antritt, weiß er nicht genau, was ihn erwartet: »Ich habe da auch nur die allgemeinen Vorstellungen.« Er hofft, die Zeit nutzen zu können, um sich auf seine Prüfung Mitte Oktober vorzubereiten. Seit fünf Semestern studiert er im hessischen Witzenhausen »Ökologische Agrarwissenschaften«. Die Landwirtschaft der Zukunft sieht für ihn deutlich anders aus als jetzt: in bäuerlichen Strukturen mit regionalem Bezug und mit standortangepasstem Saatgut. Die Aktion 2007 war seine erste große politische Intervention. Wohl auch deshalb ist sein Umfeld von der radikalen Entscheidung etwas überrascht.
Pratz ist der zweite Gentechnik-Gegner, der in Deutschland im Gefängnis landet. Bereits seit drei Wochen sitzt der Berufsimker Michael Grolm in Beugehaft. Seit 2005 beteiligen sich regelmäßig Dutzende Menschen an den strikt gewaltfreien »Feldbefreiungen«. Viele wurden wegen Sachbeschädigung verurteilt. Zahlreiche Prozesse laufen noch. Zwei Aktivisten, die in Gießen ein Versuchsfeld für Gerste zerstört haben, müssen mit mehreren Monaten Haft rechnen.
Der angehende Ökolandwirt will sich davon nicht einschüchtern lassen. Er hält zivilen Ungehorsam weiter für notwendig. »Die nächsten Zulassungen stehen vor der Tür.« In der EU werde gerade über drei neue genmanipulierte Pflanzen beraten. Die könnten schon 2010 ausgesät werden. Zudem sei auch Aigners Verbot von MON 810 zunächst nur auf dieses Jahr beschränkt. Schon deshalb wird Pratz nicht der letzte Feldbefreier hinter Gittern sein. Weitere Aktivisten wollen seinem Beispiel folgen.
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