Die 16 US-Geheimdienste bekommen pro Jahr rund 75 Milliarden Dollar Steuergeld. Dafür sollten die rund 200 000 Mitarbeiter schon in der Lage sein, einige heiße Kartoffeln aus dem Feuer zu holen – und zwar bevor Politiker sich daran die Finger verbrennen. Daher bekommen derzeit immer mehr Angehörige von CIA, DIA und NSA Marschbefehle nach Afghanistan. Gemeinsam mit zusätzlichen Soldaten und besonders einigen Special-Forces-Einheiten sollen sie die Taliban so schwächen, dass eine politische Lösung möglich wird. Eine, die der US-Administration einen Gesichts- und manchem Konzern einen Kapitalverlust erspart.
Wichtig ist, dass die Agenten – über 700 der CIA sind angeblich schon im Land – ihren Job möglichst geräuschlos machen. Denn Obama spürt, dass sich das Zeitfenster für einen »Erfolg« langsam schließt. Nicht mehr lange wird der Präsident seinem Volk klar machen können, dass er den ererbten Krieg am Hindukusch fortführen muss, um den weltweiten Terrorismus zu schwächen. Im Gegensatz zu Obama haben die Taliban Zeit, offenbar genügend Geld und immer mehr Menschen auf ihrer Seite.
Für die US-Dienste ist das Terrain nicht unbekannt. Mal engagierten sie sich gegen die Sowjets, mal rüsteten sie Pakistan auf, dann wieder kümmerten sie sich um den Opiumvertrieb und kauften nebenbei einen Präsidenten. Nun jedoch scheint mehr Kreativität gefragt. Fragt sich, wie viel Freiraum Obama seinen Rettern lässt und wie blutig die vorgehen.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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