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Von René Heilig 22.09.2009 / Ausland

Geheime Feldpost aus Afghanistan: Zum in die Luft Gehen!

Nicht kriegsfähig – Militärs klagen seit Jahren über den Zustand der Ausrüstungen, doch das Thema ist wahlkampfuntauglich

Es gibt – nicht nur, weil Afghanistan zum Wahlkampfthema wurde – zahlreiche und triftige Gründe, weshalb die Bundeswehr sich aus dem Afghanistan-Krieg zurückziehen sollte. Selbst wer den Einsatz am Hindukusch begrüßt, muss inzwischen eingestehen, dass die Truppe – auch aus eigener Unzulänglichkeit heraus – nicht Krieg führen kann.

Oberst Georg Klein – das ist jener Befehlshaber des PRT in Kundus, der Jagdbomber der US-Air-Force rief, um zwei bewegungsunfähige Tanklaster zu bombardieren und bei der Gelegenheit ein paar Taliban-Kämpfer samt zahlreicher Zivilisten umbringen ließ – ist unfreiwillig zum Vorreiter für einen möglichst raschen deutschen Abzug aus Afghanistan geworden. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die deutschen Soldaten keine Entwicklungshelfer im Bundeswehr-Fleckentarn sind – Klein hat ihn geliefert.

Kameraden von Klein können seine Handlung – wenn auch nicht verstehen – so doch nachvollziehen. Wer mangels eigener Fähigkeit US-Luftunterstützung anfordert, kann die über dem anvisierten Ziel kreisenden Jagdbomber, nicht einfach wieder abdrehen lassen. Die grausame Eskalation liege so in der Logik des Geschehens, sagen Offizierskameraden. Alles oder nichts – ein bisschen Krieg führen geht eben nicht.

Die Bundesregierung hat – »entwicklungshelfend, wie sie sich gern darstellt – bewusst darauf verzichtet, eigene Bomber nach Afghanistan zu schicken. Man versuchte, sich gegenüber den Verbündeten mit Tornado-Aufklärern herauszureden. Über deren Einsätze keiner mehr spricht, weil sie keiner braucht. Doch je härter die Gefechte zwischen der Bundeswehr und Aufständischen werden, umso dringender wird die Fähigkeit der raschen und wirkungsvollen Luftnahunterstützung. Andere, auch kleinere NATO-Staaten haben Jets vor Ort – die Bundeswehr nicht einmal Hubschrauber. Während die französischen Verbündeten unlängst Tiger-Kampfhubschrauber – eine deutsch-französische Gemeinschaftsentwicklung – nach Afghanistan verlegten, müssen vergleichbare deutsche Helikopter daheim bleiben. Sie sind nicht »combat ready«. Also nicht kampftauglich, weil deutscher Größenwahn Ausrüstungen vom Hersteller EADS fordert, die einfach nicht funktionieren.

Doch nicht nur in der Luft bewegt sich nichts. Auch auf dem Boden häufen sich Ausfälle. Auch weil sich die Regierung vor den Wahlen nicht erwischen lassen will, schwere Waffen nach Afghanistan zu schicken. Anweisung an das Jung-Ministerium: Nichts riskieren, was den Krieg wie einen Krieg ausschauen lässt!

Entsprechend verzweifelt sind die Berichte aus Afghanistan. Gerade hat Brigadegeneral Jörg Vollmer den geheimen »19. Erfahrungsbericht Einsatz« an seine Berliner Chefs geschickt, in dem er in gewohnter Routine »Einzelerkenntnisse und Feststellungen« vermerkt. Im Vergleich zum 18. Bericht ist der aktuelle, der den Zeitraum vom 15. März bis zum 14. Juli umreißt, 18 Seiten kürzer und um 55 Punkte kürzer gehalten. Doch in der Sache werden gewohnte Klagen nur noch schärfer formuliert. Und das alles vor dem Hintergrund einer »signifikanten Zunahme der sicherheitsrelevanten Zwischenfälle im Distrikt Ghowrmach sowie in der Provinz Kunduz«.

Viele Mängel werden bereits seit dem 15. Bericht, der schon vor zwei Jahren verfasst wurde, aufgelistet, ohne das sich etwas geändert hat. Unter anderem mangelt es an geschützten Fahrzeugen, doch nur mit denen dürfen sich deutsche Krieger aus ihren Festungen bewegen. Allein zwischen Januar und Juli fielen 38 Fahrzeuge aus – keines davon wurde ersetzt. Der Schrott wird ausgeschlachtet, damit andere Panzer fahren können.

Besonders absurd: Zwar hat die Gefahr durch Sprengfallen zugenommen, doch jene Bundeswehr-Spezialisten, die sie entdecken und unschädlich machen können, haben nicht genug gepanzerte Fahrzeuge, um ihren Job zu tun. Ganz am Boden scheint die HUMINT (Human Intelligence) zu liegen, also die Aufklärung durch menschliche Kontakte.

Neben gewichtigen politischen Gründen, die einen Abzug aus Afghanistan geraten erscheinen lassen, und neben der Angst vor Terroranschlägen vor Ort wie in Deutschland gibt es also sehr militärisch-materielle Gründe, um aus dem Krieg, der weder zu mehr Demokratie noch zum Frieden führt, auszusteigen.

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