Tegucigalpa (Agenturen/ND). Drei Tage nach der Rückkehr des gestürzten honduranischen Präsidenten Manuel Zelaya ist Bewegung in die seit Monaten andauernde Staatskrise gekommen. Zelaya sagte am Donnerstag (Ortszeit) in Tegucigalpa, er habe Gespräche mit der Übergangsregierung von Roberto Micheletti begonnen. Micheletti stimmte einer erneuten Vermittlungsmission des Präsidenten von Costa Rica, Oscar Arias, in dem Machtkampf zu.
»Ich kann sagen, dass der Dialog begonnen hat«, sagte Zelaya dem brasilianischen Sender Radio Globo. Bereits am Mittwochabend habe er sich mit einem »Vertreter der De-facto-Regierung« getroffen. Dabei sei die Putschregierung nicht von ihrer »unnachgiebigen Haltung« abgerückt, sagte Zelaya. Das Treffen beschrieb er dennoch als »positiv«.
Die Dialogbereitschaft beider Seiten bestätigten auch vier Kandidaten für die geplante Präsidentschaftswahl, die zunächst Micheletti und dann Zelaya besuchten. Micheletti habe Gespräche seiner Regierung mit Zelaya zugesagt, sagte der Kandidat der Liberalen Partei, Elvin Santos.
Vor der Bekanntgabe der Gespräche hatte Zelaya seinen Machtanspruch bekräftigt. In einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNN antwortete er auf die Frage, ob er nach seiner Heimkehr das Präsidentenamt zurückgewinnen wolle: »Ich habe diesen Titel nie verloren.« Er werde in der brasilianischen Botschaft bleiben, »bis der Staatsstreich zu Ende ist«.
Zelaya war Ende Juni gestürzt und außer Landes gebracht worden. Nach zwei vergeblichen Versuchen kehrte er am Montag heimlich in die honduranische Hauptstadt Tegucigalpa zurück und fand dort Zuflucht in der brasilianischen Botschaft. Die De-facto-Regierung droht ihm mit einem Prozess wegen Hochverrats.
Überdies erklärte die Putschregierung kurz nach Zelayas Äußerungen über den Beginn eines Dialogs, dass sie eine Vermittlungsmission von Costa Ricas Staatschef Arias und Panamas Vize-Präsident Juan Carlos Varela akzeptiere. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) solle daher ihre für das Wochenende geplante Vermittlungsreise verschieben.
Unterdessen wird für die Putschregierung das Geld knapp. Der Internationale Währungsfonds hat zwar rund 163 Millionen Dollar überwiesen – Zugriff haben aber nur die Zentralbankspitzen aus der Regierung Zelaya. Honduras hat nunmehr gerade noch Devisenreserven für den Importbedarf von 3,6 Monaten.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
Ohrfeigen für die Putschisten Internationaler Druck auf Regime in Honduras
Preis: 11,95 €
Preis: 100,00 €
Werbung:
Werbung: