Von Andreas Fritsche
02.10.2009
Brandenburg

Name des KPD-Vorsitzenden soll getilgt werden

Die CDU in Kleinmachnow (Brandenburg) will Max-Reimann-Straße umbennen / Linksfraktion nicht einverstanden

Die nach dem Kommunisten Max Reimann benannte Straße im brandenburgischen Kleinmachnow ist der CDU ein Dorn im Auge. Sie will die Straße umbenennen.
Viele Menschen kommen täglich an der Kleinmachnower Max-Reimann-Straße vorbei, denn sie kreuzt den stark befahrenden Thomas-Münzer-Damm, der wiederum auf eine Teltowkanalbrücke zuführt. Die meisten nehmen die Max-Reimann-Straße aber wahrscheinlich gar nicht wahr, denn es handelt sich um eine sehr kleine, unscheinbare Straße. Doch an ihr entzündet sich jetzt Streit.

Denn die CDU bemüht sich darum, dass die nach dem Kommunisten Max Reimann benannte Straße umbenannt wird. Gemeindevertreter Maximilian Tauscher will den Antrag formulieren und in den nächsten Tagen einreichen. Den Kommunalpolitiker stört vor allem, dass der KPD-Vorsitzende 1949 im Parlamentarischen Rat gegen das Grundgesetz stimmte. Zunächst hatte Tauscher auch schon einen neuen Namen im Auge: Schopfheimer Straße. Das sollte eine Geste an die badische Partnerstadt von Kleinmachnow sein. In Schopfheim erhielt kürzlich eine neue Straße in einem Baugebiet, in dem noch kein Haus steht, den Namen Kleinmachnower Ring.

Dass es in Kleinmachnow eine Schopfheimer Straße geben sollte, darüber sind sich alle einig. »Das ist mehrheitsfähig«, weiß Gemeindevertreter Thomas Singer (Linkspartei). Auch seine Fraktion ist damit einverstanden. »Wir machen eine Schopfheimer Straße mit, aber woanders.« Dieser Stimmung trug die CDU inzwischen Rechnung. Bei der Sitzung des Kulturausschusses am Dienstagabend schälte sich heraus, dass drei Straßen in Frage kommen, an denen bislang insgesamt nur ein einziges Haus steht.

Tauscher ist mit dieser Lösung einverstanden, beharrt aber unabhängig davon darauf, die Max-Reimann-Straße wegzubekommen. Ihm schwebt vor, die Straße zum Beispiel »Am Schwimmbad« zu nennen, oder Ferdinand-von-Quast-Straße. Den Namen des ersten preußischen Konservators der Denkmäler trug die Straße früher schon einmal. Tauscher erzählt, er habe bereits mit Anwohnern gesprochen. Von den neun Anliegern habe er sieben angetroffen und nur einer habe Bedenken gegen den Vorstoß geäußert.

Derweil hält Linkspartei-Mann Singer dem CDU-Gemeindevertreter vor, dieser habe die Rede Reimanns zum Grundgesetz nicht gelesen. Der KPD-Vorsitzende habe das Grundgesetz abgelehnt, weil es nur für die westlichen Besatzungszonen gelten sollte. Reimann lag an der Einheit Deutschlands. Die DDR war noch nicht gegründet. Außerdem habe Reimann im illegalen antifaschistischen Widerstand sein Leben aufs Spiel gesetzt, »während andere sich um ihre Blumen kümmerten«. Damit spielt Singer auf Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) an. Der hatte sich aufs Züchten von Rosen verlegt, nachdem die Nazis ihn aus dem Amt des Kölner Oberbürgermeisters gedrängt hatten.

Die Kleinmachnower Sozialisten wandten sich indessen an Max Reimanns Sohn Michael, den in der DDR aufgewachsenen Kreisvorsitzenden der Linkspartei in Dahme-Spreewald. Sein Vater sei ein sehr bescheidener Mensch gewesen, der gar nicht wollte, dass man ihm Denkmäler setzt, berichtet Michael Reimann. Trotzdem seien in der DDR etliche Straßen, Betriebe und ein Stadion nach ihm benannt worden. Vieles wurde im Zuge der Wende geschleift, doch es gebe zum Beispiel am Kap Arkona auf der Insel Rügen bis heute eine Max-Reimann-Straße. Gerade weil dem Vater an solchen Dingen nicht viel gelegen habe, wolle die Familie keinen großen Kampf darum führen. Doch wenn die Anwohner sich wünschen, dass der Name bleibt, werde man sie unterstützen, indem man über die Person Max Reimann aufklärt. So sei es Quatsch, in welcher Weise die CDU ihn als Gegner des Grundgesetzes hinstelle. In das Grundgesetz seien schließlich auch Überzeugungen von Kommunisten eingeflossen, etwa die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Michael Reimann verweist auf den Ausspruch seines Vaters: »Wir Kommunisten stimmen heute gegen dieses Grundgesetz, aber wir werden die ersten sein, die es verteidigen.«

Michael Reimann wurde gesagt, dass die Anwohner den alten Straßennamen behalten wollen. Für die gegenteilige Erklärung Maximilian Tauschers gebe es keine Bestätigung, betont Gemeindevertreter Singer. Am 15. Oktober tagt die Gemeindevertretung. Wie sie entscheidet, lässt sich schwer vorhersagen. Auch Tauscher mag da nicht spekulieren. Es besteht aber die Furcht, ein Kapitel wieder aufzuschlagen, das man 1990 mit der Abschaffung der Leninstraße und der Straße der Thälmannpioniere abgeschlossen glaubte. Es gibt in Kleinmachnow noch eine Karl-Marx- und eine Ernst-Thälmann-Straße. Wobei Tauscher beteuert, dass er die Karl-Marx-Straße nicht angreifen will. Solche Straßen gebe es ja auch in Westdeutschland. Was die Thälmannstraße betrifft, sagt Tauscher: »Das fassen wir jetzt nicht an.«

Den 1898 in einer Arbeiterfamilie in Ostpreußen geborenen Kommunisten Max Reimann sperrten die Nazis von 1942 bis 1945 ins KZ Sachsenhausen. Durch Verhandlungen mit der SS erreichte er die kampflose Übergabe des Außenlagers Falkensee an die sowjetischen Truppen. Damit rettete er vielen Häftlingen das Leben. Norwegische Überlebende sind ihm bis heute dankbar dafür. Von 1949 bis 1953 führte Reimann die KPD-Bundestagsfraktion. Er starb 1977 in Düsseldorf.

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