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»Kandidat der Herzen« triumphiert

Mit Rio de Janeiro als Olympiastadt 2016 finden die Spiele erstmals in Südamerika statt

»Rio hat es für 2012 nicht ins Finale geschafft. Sie wollten zuhören, sie haben auch zugehört und ihre Lehren daraus gezogen. Daraus ist ein schöne Geschichte geworden«, kommentierte IOC-Präsident Jacques Rogge (Belgien) die Wahlentscheidung auf der 121. IOC-Vollversammlung in Kopenhagen.

Mit 66:32 Stimmen hatte sich Rio de Janeiro im dritten Wahlgang gegen Madrid als Ausrichter der XXXI. Olympischen Sommerspiele 2016 durchgesetzt. Zuvor waren Tokio im zweiten und völlig überraschend der große Favorit Chicago schon im ersten Wahlgang ausgeschieden. Ein historischer Sieg für Rio nach fünf gescheiterten Olympiabewerbungen (1936, 1940, 1960, 2004 und 2012), denn damit finden erstmals in der 113-jährigen olympischen Geschichte die Spiele auf südamerikanischem Boden statt.

Nur Afrika ist jetzt noch ein weißer Fleck auf der olympischen Landkarte, hat aber die Fußball-WM 2010 in Südafrika und kann sich Hoffnung auf die Sommerspiele 2020 machen. »Das IOC muss die Dritte Welt mehr miteinbeziehen. Das Votum für Rio war ein Schritt in die richtige Richtung«, bekräftigte der IOC-Präsident bei der Eröffnung des von Sonnabend bis heute andauernden 13. Olympischen Kongresses.

Der triumphale Sieg Rios war zugleich eine Schlappe für den für fünf Stunden extra nach Kopenhagen gereisten sieggewohnten US-Präsidenten Barack Obama, der nicht nur das erhoffte Gold, sondern auch Silber und Bronze verfehlte und als Vierter und Letzter die olympische Bühne verlassen musste. Er ließ später aus dem Weißen Haus verlauten: »Es ist ein wirklich historisches Ereignis, da dies die ersten Spiele in Südamerika sein werden. Eines der wertvollsten Dinge im Sport ist die Tatsache, dass man ein großartiges Match spielen und doch nicht gewinnen kann.«

Mit Rio de Janeiro hat sich der »Kandidat der Herzen« durchgesetzt. Der »Olympiasieg« der Stadt am Zuckerhut löste einen Karnaval ohnegleichen aus. Die olympische Begeisterung erfasste einen ganzen Kontinent. »Wenn ich heute sterben müsste, wüsste ich, dass es sich gelohnt hat zu leben. Es ist ein Sieg von 190 Millionen Brasilianern, des südamerikanischen Kontinents, ganz Lateinamerikas«, meinte Brasiliens überglücklicher Präsident Luiz Inacio Lula da Silva mit Tränen in den Augen. Zwei Jahre nach der Fußball-WM 2014 wird die Sportwelt erneut zu Gast in der »fröhlichsten Stadt der Welt« sein.

In Rio strömten Hunderttausende Menschen aus ihren Häusern zum weltberühmten Strand in Copacabana und feierten den olympischen Ritterschlag bei Musik und Tanz in den Straßenschluchten bis hoch zur Christusstatue. Ein 3000 Quadratmeter großes Tuch mit der Aufschrift »Rio liebt euch« in Englisch wurde über die Köpfe der dicht an dicht stehenden Menge vor der Haupttribühne gezogen. Ein Vorgeschmack auf die Vision der Spiele 2016 am Zuckerhut: »Lebt eure Leidenschaft«.

Präsident Lulu verwies in der Stunde des Triumphes aber auch auf die »Herkulesaufgabe«, die nun vor ganz Brasilien stehe. Nach dem Feiern heißt es hart arbeiten. So soll demnächst eine ihm direkt unterstellte Gruppe geschaffen werden, um die Arbeiten an den Olympiastätten und der Infrastruktur zu überwachen. Man wolle ein böses Erwachen wie bei den Panamerikanischen Spielen 2007 vermeiden, als der Etat um sage und schreibe ein Fünffaches überzogen wurde. SID/dpa/ND


Rio de Janeiro

Die XXXI. Olympischen Sommerspiele finden vom 5. bis 21. August 2016 in der 6-Millionen-Metropole statt. Die Paralympischen Spielen werden vom 7. bis 18. September 2016 ausgetragen.

Gesamtkosten: 13,92 Milliarden Dollar insgesamt, davon 2,82 Millarden Olympiabuget und 11,1 Millarden für Infrastrukturmaßnahmen. Das Budget für die Paralympics beträgt 170 Millionen Dollar.

Sportstätten: Die 33 Sportstätten sind in drei Zonen geplant. 18 Anlagen sind bereits vorhanden, neun permanente und sechs temporäre Stätten sind geplant. Das berühmte Maracana-Stadion (90 000 Zuschauer) wird Schauplatz der Eröffnungs- und Schlussfeier sein. Die Leichtathletikwettbewerbe finden im Joao-Havelange-Stadion statt, das um 15 000 auf 65 000 Zuschauerplätze erweitert wird. Vorrundenspielorte im Fußball sind ferner Brasilia, Belo Horizonte, Salvador und Sao Paulo.

Olympisches Dorf: Die 34 Appartmentblocks mit 17 700 Betten liegen am Meer in der Barra-Zone, die 14 Sportstätten umfasst. Nach Olympia sollen die Wohnungen verkauft werden. Ein Strand soll nur für die Athleten abgesperrt werden, der in zehnminütiger Autofahrt zu erreichen ist. Alle Sportstätten liegen vom Olympischen Dorf maximal 50 Minuten Autofahrt entfernt.

Zustimmung der Bevölkerung: 85 Prozent in der Olympiastadt Rio, 69 Prozent in Brasilien. ND

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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