Von Jürgen Amendt
05.10.2009
Kommentiert

Die letzte Schlacht ...?

Keine Frage, im Studierendenverband »Die Linke.SDS« sind in Sachen Agitation und Propaganda Profis am Werk. Die Bundestagswahl war kaum vorüber, da kündigte der der Linkspartei nahestehende Verband einen Kongress gegen Schwarz-Gelb an. So flugs geht das bei den jungen Genossen. Allein: Es ist ein Etikettenschwindel. Der Kongress »Make Capitalism History« hat den Wahlsieg von Union und FDP gar nicht zum Anlass. Der Kongress wird schon seit Langem vorbereitet. Aber es passt halt so schön, und wenn uns die Geschichte linker Splittergruppen in der verflossenen Alt-BRD etwas lehrt, dann dies, dass es vor allem auf den machtvollen Auftritt ankommt.

Das hat bei »Die Linke.SDS« durchaus Methode. Seit seiner Gründung vor zwei Jahren ist der Verband in erster Linie durch titelträchtige Kongresse aufgefallen. Der erste Kongress trug den kämpferischen Titel »Die letzte Schlacht gewinnen wir«. Das Bemühen, an vergangene Zeiten studentischer Protestkultur anzuknüpfen, wurde schon in der Namensgebung deutlich: SDS steht zwar für »Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband«, die Verwechslung mit Rudi Dutschkes SDS aus den 1960er Jahren ist allerdings beabsichtigt.

Hochschulpolitisch, so wird selbst im Umfeld des Verbandes kritisiert, sind die universitären Nachwuchskader der Linkspartei jedoch schwach aufgestellt. Der ehemalige Geschäftsführer des »Aktionsbündnis gegen Studiengebühren« (ABS), Klemens Himpele, der selbst an der Satzung des Studierendenverbandes mitgeschrieben hat, spricht von einem »Hang zur medienwirksamen Eventkultur«. Aktuelle hochschulpolitische Themen wie die Zukunft des Bafög oder die Probleme durch die Umstellung der Studienabschlüsse auf Bachelor und Master kämen in der täglichen Arbeit zu kurz. Mit der Konzentration auf die geisteswissenschaftlichen Studienfächer laufe »Die Linke.SDS« zudem Gefahr, »ungewollt zum Interessenvertreter der Kinder des Bildungsbürgertums zu werden« und die Bedürfnisse von Menschen aus bildungsferneren Schichten zu vernachlässigen.

Dieser Eindruck hat sich durch den jüngsten Kongress verstärkt. Angeboten wurden über 60 Veranstaltungen mit mehr als 80 Referentinnen und Referenten. Um Schule und Hochschule ging es nur in wenigen Veranstaltungen. Auf die Dauer ist es für eine linke Studentenorganisation allerdings zu wenig, Marx-Leseseminare und Workshops zur Kapitalismuskritik zu organisieren. Angehende Akademiker beschäftigt heute auch anderes, etwa, wie sie später einen Job finden – und sie haben keine Lust, auf gute Bildung zu warten, bis der Kapitalismus Geschichte ist.

Übrigens: Historisch war Dutschkes SDS nur eine kurze Zeit vergönnt. Kaum vier Jahre, nachdem sich der einstige Hochschulverband der SPD unter seiner Führung radikalisiert hatte, zerfiel der »Sozialistische Deutsche Studentenbund« 1970 in zahlreiche Splittergruppen.

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