Von Stefan Otto
10.10.2009

Ideen für Friedrichshainer »Loch in der Stadt«

Architekt stellte Bauvorhaben an der Andreasstraße vor / Anwohner wollen sich einbringen

Noch ist alles Zukunftsmusik. Der Architekt Eike Becker hat am Donnerstag den Anwohnern in Friedrichshain die Pläne vorgestellt, wie eine Bebauung auf der Freifläche an der Bahntrasse zwischen den Bahnhöfen Jannowitzbrücke und Ostbahnhof einmal aussehen könnte. Die Hallen des VEB Fahrzeugausrüstung sind bis auf das denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude längst abgetragen. Seitdem verwildert das Areal zwischen Kraut-, Lange- und Andreasstraße.

Der Eigentümer Bombardier führt schon seit Jahren Gespräche mit dem Bezirksamt. In einem früheren Entwurf war dort die Konzernzentrale des Fahrzeugbauers im Gespräch. Doch »der Entwurf mit einer dichten Bebauung stieß auf Ablehnung«, sagte Bezirksverordneter Mirko Assatzk (LINKE) dem ND. Bombardier hat seinen Sitz jetzt am Landwehrkanal und plant auf dem Friedrichshainer Gelände 600 Wohneinheiten. »Das soll kein Luxusquartier werden«, erläuterte Becker, der dieses »Loch in der Stadt« wieder zum Leben erwecken möchte und mit bis zu 1200 neuen Bewohnern rechnet.

Der Architekt plant dafür eine aufgelockerte Bebauung mit einer ausladenden Grünfläche. Die meisten Gebäude sollen sich in der Höhe den Altbauten anpassen, das Verwaltungsgebäude in der Andreasstraße wird integriert. Ferner werden drei Blocks mit den Elfgeschossern der angrenzenden Langestraße korrespondieren.

An der Ecke Krautstraße/Bahntrasse soll dann ein Block mit 17 Stockwerken entstehen. Dort könne ein Hotel untergebracht werden, sagte Becker, was ein Raunen bei den Zuhörern hervorrief. »Durch den Ostbahnhof und die O2-Arena gibt es dafür Bedarf«, erklärte Mirko Assatzk, der weiß, dass eine hohe Bebauung immer mit Skepsis aufgenommen wird.

»Das ist ein erster Vorschlag«, beschwichtigte Joachim Pempel (LINKE) als Vorsitzender des örtlichen Stadtplanungsausschusses. Niemand solle vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Bemerkenswert an Beckers Vorschlag findet Pempel die Grünfläche zur Langen Straße hin, die ein Drittel des Grundstücks ausmacht. Die Bebauung soll ausschließlich entlang der Bahntrasse erfolgen und mit einer Passage an den Bögen abschließen.

Der Mieterbeirat in den Häusern der angrenzenden Lange Straße reagierte überaus aufgeschlossen gegenüber diesen Plänen. Wolfgang Triebel schlug zusammen mit dem Stadtteilverein Friedrichshain vor, in einem der Gebäude ein Mehrgenerationenhaus unterzubringen. Darauf könne auch ein Dachgarten eingerichtet werden, um jenen Mietern, denen in der Lange Straße die Sicht auf das Treiben an der Spree verbaut sei, die Aussicht zu ermöglichen.

Eike Becker schien der Vorschlag zu gefallen, und Mirko Assatzk fühlte sich an die Planungsgeschichte des Wriezener Bahnhofs erinnert. »Da konnten wir der Metro den Fußballplatz auf dem Dach abtrotzen.« Auch Joachim Pempel möchte, dass die Anwohner sich weiterhin einbringen. Noch ist dafür genügend Zeit. Mit einem Bebauungsplan, der die Fakten festlegt, ist erst in zwei Jahren zu rechnen.