Schnellsuche

Erweiterte Suche

Tom Kirschey 13.10.2009 /
Buchmesse Frankfurt/M.

Eine Schicksalsfrage

KARL LANIUS KLÄRT ÜBER DEN KLIMAWANDEL AUF

Nicht nur als Wissenschaftler, als Kernphysiker, hat sich Karl Lanius Meriten erworben, Anerkennung ist ihm auch für seinen Einsatz gegen die Verbreitung von Atomwaffen zuteil geworden. Und der heute 82-Jährige greift noch immer in öffentliche Debatten über Moral und Verantwortung der Wissenschaft ein.

Was Leitartikel und Essays nicht vermögen, eine exakte Beweisführung über die Funktionsprinzipien komplexer Systeme und die Verteilung von Verantwortung in der Gesellschaft, gelingt Lanius in seinem neuen Buch. Manchem Leser mag es zunächst einige Schwierigkeiten bereiten, sich als Adressaten zu begreifen. Und über längere Abschnitte gewinnt man den Eindruck, Lanius setzt sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen der in der Öffentlichkeit über den Klimawandel kolportierten bitteren Wahrheiten auseinander, ohne selbst Partei ergreifen zu wollen. Doch baut sich bei weiterer Lektüre eine Art Spannung auf, wann der Autor sich nun als »Klimakämpfer« oder »Klimawandelskeptiker« outen würde. Wer sich auf Lanius’ Argumente einlässt, wird mit tiefen Einsichten darüber belohnt, warum sich die inzwischen wieder täglichen Debatten über Klimawandel und -katastrophe oft auf Nebenkriegsschauplätzen abspielen und unqualifiziert geführt werden. Und das ist nicht nur nützlich, sondern bitter nötig.

Da wäre zum einen die verbreitete Verwechslung von Klima und Wetter. Ein Wetterextrem ist noch kein Klimawandel. Und doch wird beides oft munter vermischt. Hurrikan, Dürre und Überschwemmung werden so zu Vorboten oder gar Belegen des Klimawandels. Die zweite weitverbreitete Verwechslung ist die von Modell und Prognose. Modelle sind nur so gut, wie das Verständnis der darin zugrundeliegenden Faktoren ausgereift ist, Prognosen sind meist von wissenschaftlicher Seriosität weit entfernt.

Lanius erklärt anschaulich, was eine Klimaschwankung vom -wandel unterscheidet und wie man den anthropogenen Faktor im Klimasystem bewerten kann. Das Ergebnis der Analyse überrascht: Wir wissen vielfach noch zu wenig über das Klimasystem, müssen aber schon jetzt handeln. Tief scheint heute der Graben zwischen Naturwissenschaften einerseits und Geistes- und Sozialwissenschaften andererseits. Diese Beobachtung ist nicht neu, aber der Klimawandel macht dieses gegenseitige Ignoranzverhältnis zunehmend inakzeptabel. Wenn die Menschheit in absehbarer Zeit in ihrer Existenz gefährdet ist, wären dann nicht gemeinsame Anstrengungen erforderlich? Hat eine sich sektoral spezialisierende Wissenschaft überhaupt Berechtigung, wenn sie nicht darauf ausgerichtet ist, Zukunftsprobleme zu lösen?

Nicht von ungefähr erscheint Lanius’ Buch im Vorfeld der UN-Weltklimakonferenz in Kopenhagen. Wenn die Politik einen Beitrag zum Überleben der Menschheit leisten will, muss sie auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse schnell und wirksam handeln. Dieser Appell von Karl Lanius richtet sich aber auch an die Wissenschaft und die Gesellschaft, sich der gemeinsamen Verantwortung bewusst zu werden und ein Gesellschaftssystem zu etablieren, das diese ins Zentrum rückt.

Karl Lanius: Klima, Umwelt, Mensch – Sozial-ökonomische Systeme und ihre Überlebens(un)fähigkeit. Pahl-Rugenstein, Bonn. 108 S., br., 12,90 €.

Kommentare zu diesem Artikel

Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Mein ND
Login
LINKE

LINKE

Führungswechsel in der LINKEN

Umfrage

Leserpreis 2010

Auszeichnung beim ND-Pressefest

Rennsteiglauf

Durch Thüringen laufen

ND bildet eine Mannschaft

Radrennen

Im Mai: Velothon in Berlin

ND bildet eine Mannschaft

Rückblick

Blick ins eigene Blatt

Themen von 1990 - noch aktuell?

Leser-Kommentare
Termine
Neues aus dem ND-Shop
ND bei Twitter

Folgen Sie uns!

Nachrichten aus der Online-Redaktion

ND-Probeabo

ND unverbindlich testen

Hier Ihre kostenlose Leseprobe bestellen

ND-Newsletter

Täglich gut informiert.

Jetzt hier kostenlos abonnieren!

ND im Club - 25.03.2010

»Erwin Strittmatter: Krieg der Väter«

Buchpremiere mit Günter Drommer.

ND-Shop

Märkische Chronik

Serie des DFF über ein Dorf in Brandenburg.

ND-Shop

Kalender Bildende Kunst

Malerei aus der DDR

 
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Online-Abo

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.