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Von Velten Schäfer 15.10.2009 / Sport

Die 13. Runde des Jürgen Brähmer

Schweriner Boxprofi erneut vor Gericht

Der Boxweltmeister ist vorbestraft wegen Gewalttätigkeiten. Nun könnten neue Vorwürfe seine Karriere beenden. Der Prozess scheint allerdings eine Wendung zu nehmen.
Trotz aller Skandale Stolz der Boxerstadt Schwerin: Jürgen
Trotz aller Skandale Stolz der Boxerstadt Schwerin: Jürgen Brähmer dpa

Der Boxer Jürgen Brähmer aus Schwerin steht am Scheideweg. Entweder geht es ganz nach oben mit ihm oder tief in den Abgrund. Der 31-Jährige, in der Presse schon als »Knast-Boxer« tituliert, kann Halbschwergewichts-Champion nach WBO-Version werden. Titelträger Zsolt Erdei wechselt in eine höhere Gewichtsklasse. Der andere Weg ist der ins Gefängnis und ins sportliche Aus.

Entscheidend sind Amr A., Doreen A., Renate Sch., Anna J., Leute, die mit dem zu tun haben, was man in Schwerin das »Nachtleben« nennt. Sie sind Zeugen in dem Prozess, der über Brähmers Zukunft entscheidet. Es geht um Beleidigung und Körperverletzung, Taten, die den Stolz der Boxerstadt ins Gefängnis bringen würden. Dort war Brähmer bereits, und zum vermeintlichen Tatzeitpunkt stand er unter Bewährung.

Da ist zum einem der »Fall« Doreen A., der anfangs nach einer klaren Sache aussah: Brähmer soll ihr nach einem Streit in der Disko »Madison« mit der Hand ins Gesicht geschlagen haben. Sie habe einen Nasenbeinbruch erlitten.

Doch hat der »Fall« eine Wendung genommen: Renate Sch., die sich im Madison um die Toiletten kümmert, und Anna J., die dabei waren an diesem Abend, sagen jetzt zugunsten Brähmers aus: Eine schwere Verletzung mit Nasenbluten hätten sie bei Doreen A. am vermeintlichen Tatabend nicht feststellen können – vielmehr seien sie von dieser und Amr A. beschwatzt worden, gegen Brähmer auszusagen. Zudem konnte der Arzt, der Doreen A. in betreffenden Nacht untersuchte, keine schweren Verletzungen feststellen und schon gar keinen Nasenbeinbruch – der zwei Tage später aber dennoch diagnostiziert wurde. Der Berliner Anwalt Johannes Eisenberg, der Brähmer verteidigt, stellt die Episode im »Madison« nun als betrügerisches Komplott dar.

Schlechter stehen die Aktien für Brähmer im »Fall« Amr A. Dem Gastronomen soll Brähmer in einer Schweriner Bar einen Aschenbecher entgegengeschleudert und ihn ebenfalls geschlagen haben. Brähmers Berater bot A. daraufhin Geld an, wenn er die Anzeige zurückziehe. Jedoch verfolgten die Staatsanwälte den »Fall« weiter. Brähmer erklärt nun, von der verdächtigen Zahlung nichts gewusst zu haben. Sein damaliger Berater hat entsprechend ausgesagt.

Zwölf Runden hat ein Boxkampf, doch über Brämers Karriere entscheidet wiedermal eine 13. Das war schon im Dezember 2007 so, als Brähmer vor Gericht stand, weil er einen jungen Mann geschlagen und geschubst haben sollte, der sich an seinem Auto zu schaffen machte. Damals dauerte es eine halbe Stunde bis zum Freispruch. Diesmal aber gab es schon eine Reihe von Terminen. Gestern war wieder einer – und ein Ende ist noch immer nicht in Sicht.

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