Oper ist cool – das finden jedenfalls 150 Lichtenberger Mädchen und Jungen, die sich an einem besonderen Projekt beteiligen. Unter Anleitung erfahrener Musik- und Tanzpädagogen von der Staatsoper, studieren sie eine Kinderoper ein. Die Premiere findet im Mai 2010 statt.
Noch mussten die sieben- bis 13-Jährigen keine Texte auswendig pauken. Schließlich haben sie gerade erst die Anfangsphase hinter sich: Da stand zunächst das Kennenlernen im Vordergrund und das ungezwungene Spielen, um die Scheu voreinander zu verlieren. »Egal wie ich singe, ich werde akzeptiert«, sagt der neunjährige Jonathan. Genau wie Ludwig und Marielle geht er in die Mauritiusschule im Wohngebiet Frankfurter Allee Süd. Als dort vor einigen Monaten richtige Theaterleute auftauchten und erzählten, dass sie gemeinsam mit Kindern eine eigene Oper auf die Beine stellen wollen, meldeten sich die drei sofort. Auch an der zweiten Schule im Kiez wurde das Projekt präsentiert und nach Mitstreitern gesucht.
Rund 150 Mädchen und Jungen werden insgesamt an der spektakulären Aufführung beteiligt sein. Auch die Musikschule des Bezirks ist integriert. »Wir gehen mit dem Projekt neue Wege im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit«, sagt Franz-Heinrich Fischler, Direktor Caritasverband für das Erzbistum Berlin. Als Freier Träger betreibt der Verband den Klub »Steinhaus« an der Schulze-Boysen-Straße und will gemeinsam mit der Staatsoper »jungen Menschen den Zugang zur Oper als sinnliches Erlebnis und als Vergnügen vermitteln«, betont Ronald H. Adler, Intendant der Staatsoper Unter den Linden.
Aus dem »Steinhaus« wird deshalb mehrmals pro Woche ein Opernhaus. Hier treffen sich die kleinen Darsteller und werden von Lena Haselmann und Sarah del Lago, den beiden Pädagoginnen, auf jeden Akt vorbereitet.
Als Vorlage dient die romantische Oper »L´étiole« von Emmanuel Chabrier, die gerade an der Berliner Staatsoper neu inszeniert wird. »Die Kinder entwickeln eine eigene Version mit Texten aus ihrer Lichtenberger Lebenswelt«, erklärt Regina Lux-Hahn, Projektleiterin des Caritasverbandes. »Sternzeit F:A:S« – die Großbuchstaben stehen für Frankfurter Allee Süd – heißt die Aufführung.
Die Pädagoginnen sind begeistert von dem Elan, mit dem die jungen Künstler an die Proben herangehen. Aber auch die Kinder schwärmen von den Übungsstunden: »Es macht Spaß, und wir dürfen ganz viel ausprobieren«, sagt der elfjährige Hannes. So werden die Schüler in jeden einzelnen Schritt der Opern-Produktion einbezogen: Neben der Musik, dem Tanz, dem Theater gehören das Bühnenbild, die Maske, das Kostüm sowie Schreib- und Medienwerkstätten dazu. Flyer, Plakate und Eintrittskarten sollen außerdem entwickelt werden. Auch die Lehrpläne der beteiligten Schulen sind auf das Projekt abgestimmt.
Premiere des Stückes ist am 6. Mai auf der Probebühne der Berliner Staatsoper. Danach gibt es unter anderem im Theater an der Parkaue mehrere Vorstellungen. Schon jetzt steht fest: »Die Beteiligten wollen diese Kinder- und Jugendarbeit auf jeden Fall fortsetzen«, betont Lux-Hahn.
Unterstützt wird das Vorhaben beispielsweise vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung, dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, dem Bezirksamt Lichtenberg und der HOWOGE mbH.
Infos unter:www.caritas-berlin.de/kinderoper
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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