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20 000 Blumen wurden gestern in Berlin verteilt. Damit machte die ExpoKolumbien Werbung für das südamerikanische Land, das zum fünftgrößten Produzenten von Schnittblumen in der Welt aufgestiegen ist. Das werden die allermeisten der Beschenkten so wenig wissen, wie dass Kolumbien das Land ist, indem Jahr für Jahr Dutzende Gewerkschafter ermordet werden, das Land, in dem vier Millionen Menschen und damit jeder zehnte Einwohner offiziell ein Binnenflüchtling ist. Doch die letztgenannten Fakten spielen bei der ExpoKolumbien nicht einmal unter ferner liefen eine Rolle. Es geht getreu der von der Weltbank herausgegebenen Zeitschrift »Doing Business 2010« ausschließlich darum, Kolumbien als besten Standort für Investitionen in Lateinamerika zu preisen. Diese Ausschließlichkeit ist ein Skandal, noch mehr, da die Expo nicht nur von Handelskammern getragen wird, die sich auf politische Neutralität berufen könnten, sondern auch von staatlichen entwicklungspolitischen Trägern wie der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit und Internationale Weiterbildung und Entwicklung. Für letztere kann es keine Neutralität geben, wenn wie in Kolumbien nachweislich Zigtausende Menschen vertrieben werden, um Platz für lukrative Investitionsprojekte zu schaffen. Die deutsche Entwicklungspolitik in Bezug auf Kolumbien ist seit Langem ein Trauerspiel. Man mag sinnvolle Projekte zur Stärkung der Menschenrechte und der Zivilgesellschaft unterstützen. Doch selbst die von Berlin geförderten »EU-Friedenslabors« sind mit Vorsicht zu genießen. Sie sind Teile eines staatlichen Befriedungsplanes. Oft genug heißt Befriedung, dass Militärs und Paramilitärs vorher »aufgeräumt« haben. Die ExpoKolumbien steht in dieser unkritischen Tradition.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
Preis: 3,00 €
Preis: 7,99 €
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