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Von Ingolf Bossenz 27.10.2009 / Ausland

Appell zum Aufstand aus dem Petersdom

Synode im Vatikan benannte Probleme Afrikas und blieb naheliegende Antworten schuldig

Mit einer Bischofsversammlung unterstrich der Vatikan die Bedeutung Afrikas für die katholische Kirche.
Papst-Messe im Petersdom zum Abschluss der Synode
Papst-Messe im Petersdom zum Abschluss der Synode

»Afrika, steh auf!« Der markige Ruf, der am Sonntag durch den Petersdom in Rom hallte, erging von einem Mann, der bislang nicht durch die Verbreitung revolutionärer Parolen aufgefallen war. Papst Benedikt XVI. meinte allerdings nicht die Erhebung gegen Mächte und Multis, die den Ausverkauf der Ressourcen des Kontinents betreiben. Worauf der apodiktische Appell des katholischen Kirchenoberhauptes eigentlich zielte, blieb ebenso undifferenziert wie die Empfehlungen der Afrika-Synode im Vatikan, deren Abschluss der Pontifex mit der Messe markierte.

400 Bischöfe, Ordensleute und Laien hatten drei Wochen lang über »Die Kirche in Afrika im Dienst von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden« diskutiert. Nach 1994 war es das zweite Mal, dass eine Bischofskonferenz sich explizit den Problemen auf dem Schwarzen Kontinent widmete: Armut, Krankheiten, Hunger, Kriege, Gewalt, Vertreibung, Menschenrechtsverletzungen, Korruption ... Die Kritik an der Abschottungspolitik der reichen Länder gegen Einwanderung wurde ebenso erneuert wie die Forderung erhoben, die Afrikaner müssten sich selbst den Herausforderungen stellen und in der Heimat menschenwürdige Bedingungen schaffen. Die katholische Kirche, so Papst Benedikt, müsse mit allen Mitteln dazu beitragen, »dass keinem Afrikaner das tägliche Brot fehlt«.

Dass die Synode in Rom Rezepte für eine derartige Herkules-Aufgabe ebenso wenig fand wie andere, wesentlich repräsentativere und mächtigere internationale Konferenzen, ist kein Makel. Wenn aber in den Empfehlungen der Tagung diese als »Neues Pfingsten« für den afrikanischen Kontinent deklariert wird, zeigt dies, worum es bei allen wohlfeilen Worten geht: um Macht und Einfluss.

Afrika ist für den Vatikan strategisches Terrain. Es könne als »geistliche Lunge« für die in einer »Glaubens- und Hoffnungskrise« befindliche Menschheit wirken, erklärte Benedikt XVI. anlässlich der Afrika-Synode. So setzt die römische Kirche auf die Länder vor allem südlich der Sahara, um das Schwinden ihres Einflusses im klassischen christlichen Abendland zu kompensieren. Zwar wachsen auf dem ärmsten Kontinent die christlichen Kirchen in der Tat weltweit am schnellsten. Und 140 Millionen der knapp 900 Millionen Afrikaner sind bereits Katholiken (15,6 Prozent). Doch der religiöse Boom nutzt vor allem evangelikalen US-Gründungen, die eine für den spirituellen Massenkonsum fabrizierte Mixtur anbieten. Angesichts der auf Rohstoffsicherung fixierten Wirtschaftspolitik der USA gegenüber Afrika kann deren finanzielle Vorherrschaft in der internationalen evangelikalen Bewegung kaum überraschen. Dass die Zeiten solch geostrategischer Allianzen für die katholische Kirche vorbei sind, könnte sie als Ausdruck von Freiheit betrachten. Doch dafür bleibt sie in die Fesseln ihres eigenen Doktrinarismus geschlagen und ist auch nicht bereit, diese bei anderen zu lockern. So sagten die Teilnehmer der Synode zwar Nein zur Genitalverstümmelung bei Mädchen, aber ebenso Nein zur Abtreibung – auch nach einer Vergewaltigung, obwohl Frauenorganisationen davon ausgehen, dass jede zweite Afrikanerin mindestens einmal im Leben vergewaltigt wird.

Und dass die Zahl der 6000 Afrikaner, die täglich an den Folgen der Immunschwächekrankheit Aids sterben, durch den Gebrauch von Kondomen gesenkt werden könnte, war für Papst Benedikt XVI. auch auf seiner ersten Afrikareise im März dieses Jahres keine akzeptable Option. Die Synode folgte ihm und vergab damit eine Chance, die zwar kein »neues Pfingsten«, aber immerhin eine neue Humanität signalisiert hätte.

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