Christian Klemm
29.10.2009
Personalie

Die Erste

Margot Käßmann ist seit gestern Vorsitzende der Evangelischen Kirche

Der Vergleich zu Angela Merkel drängt sich förmlich auf. Auch Margot Käßmann hat ein Amt inne, das noch keine Frau vor ihr ausüben durfte: Gestern ist die Landesbischöfin von Hannover zur Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt worden. Die Mutter von vier Töchtern tritt die Nachfolge des Berliner Bischofs Wolfgang Huber an und wird der Kirche sechs Jahre lang vorstehen. Damit wird die Kirche von einer weiblichen Doppelspitze geführt. Bereits im Frühjahr dieses Jahres wurde die Grünenpolitikerin Katrin Göring-Eckhardt zur Vorsitzenden des Kirchenparlaments gewählt.

Doch so prominent Käßmanns Amt auch sein mag, die 51-jährige gebürtige Marburgerin hat eine schwierige Aufgabe übernommen. Der EKD laufen seit Jahren die Mitglieder davon. Nur zu Weihnachten sind die Gotteshäuser noch gut gefüllt; am Sonntag verirrt sich nur eine kleine Minderheit der 25 Millionen Potestanten in die Kirche. Auch von der finanziellen Misere, die die EKD seit geraumer Zeit plagen soll, lässt sich die ehemalige Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages nicht unterkriegen. »Wir werden uns von den Mitgliedersorgen und Finanznöten nicht lähmen lassen, sondern mutig gemeinsam die Zukunft gestalten«, sagt sie trotzig.

Schon vor sechs Jahren stand Käßmann, die seit 2007 in Scheidung lebt, für das Amt des EKD-Vorsitzenden zur Diskussion. Damals gingen Synode und Kirchenkonferenz mit Wolfgang Huber noch auf Nummer sicher. Jetzt wagt die EKD das Experiment Käßmann, das in der Kirche nicht unumstritten ist.

Die promovierte Theologin Käßmann arbeitete knapp 20 Jahre im Ökumenischen Rat der Kirchen mit, was sie nicht davon abhielt, Positionen der katholischen Kirche, beispielsweise deren strikte Ablehnung der Homosexualität, zu kritisieren und die Aufhebung des Zölibats zu fordern. Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, begrüßte die Wahl Käßmanns. Ebenso wie Deutschlands Top-Feministin Alice Schwarzer. Käßmann werde die Kirche noch stärker als bisher auf den Weg der Geschlechtergerechtigkeit lenken, meint Schwarzer. Das wäre sicherlich nötig, nicht nur in der evangelischen Kirche.

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