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Als der Zürcher Chemiker Tadeus Reichstein 1933 sein Patent zur künstlichen Herstellung des Vitamins anbot, war der Basler Pharmakonzern Roche skeptisch: »Erwachsenen dürfte genügend Vitamin C mit frischem Gemüse« und Obst zukommen, sagte der Forschungschef. Medizinischen Nutzen bringe der synthetische Stoff keinen. Roche kaufte das Patent trotzdem und machte Vitamin C zum Blockbuster und dieser die Firma zum Großkonzern, schreibt der Historiker Beat Bächi in seiner Studie.
Der Erfolg von Vitamin C beruht laut Bächi allein auf Marketing. Bis heute konnte noch keine wissenschaftliche Studie einen medizinischen Nutzen des Pulvers nachweisen. Aber das war für Roche kein Problem: Die Marketingabteilung wusste gemäß der firmeninternen Sprachregelung, wie man »Hokuspokus« machen musste, um Arzneimitteln »eine neue Krankheit anzudichten.« Im Fall von Vitamin C behauptete Roche ohne jeden Beleg, dass die Einnahme die Leistungsfähigkeit steigere. Das war ein genialer PR-Trick, denn nun kamen Gesunde wie Kranke als Käufer in Frage. Einer der Hauptabnehmer war bis 1945 die Wehrmacht, die sich von der Vitaminabgabe an ihre Soldaten eine Stärkung des »Volkskörpers« versprach. Heute werden im Jahr weltweit 110 000 Tonnen Vitamin C als Nahrungsmittelzusatz hergestellt. Bächis quellenreiche, lesenswerte Studie zeigt am Beispiel der Urmutter aller Nahrungsergänzungsmittel eindrücklich auf, wie Pharmakonzerne Anwendungen für medizinisch nutzlose Produkte (er)finden.
Beat Bächi: Vitamin C für alle!, Pharmazeutische Produktion, Vermarktung und Gesundheitspolitik 1933-1953, Chronos Zürich 2009, 273 S., 24 €.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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