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Von Tom de Meller
04.11.2009

Im Schatten der Macht

Viktoria Binschtok zeigt »Suspicious Minds« in der Galerie Klemm's

Viktoria Binschtok, »Body 12«
Viktoria Binschtok, »Body 12«

Viktoria Binschtok hat ein Auge für das Unauffällige. Die 1972 in Moskau geborene und später an der Leipziger Hochschule für Grafik und Gestaltung von Timm Rautert ausgebildete Fotografin hat aus der medialen Flut von Abbildungen von Staatsbesuchen die Bodyguards der gekrönten und gewählten Häupter herausgesucht. Binschtok hat diese Bildausschnitte extrem vergrößert. Und nun hängen sie in geheimnisvoll wirkender starker Pixelung unter dem Titel »Suspicious Minds« in der Galerie Klemm's in der Brunnenstraße.

Die Bilder der Personenschützer ähneln sich. Sie sind stets in manierliche Anzüge gesteckt, insgesamt aber nicht mehr oder minder auffällig als andere Personen im Umfeld von offiziellen Zeremonien. Die Verkabelung mit Mikro und Ohrstöpsel ist heutzutage – angesichts vieler Liebhaber der Freisprechfunktion von Handys – kein Alleinstellungsmerkmal der Body Guards mehr.

Man kann sie also nur an ihren Aufgaben erkennen. Die Augen scannen konzentriert die Umgebung ab. Der Blick weist stets in eine andere Richtung als der Blick der benachbart postierten Personen. Gilt die Aufmerksamkeit Letzterer dem Ereignis an sich, so widmen sich die Bewacher ausschließlich den Begleitumständen. Manches Mal beult sich unter ihren Jacketts etwas aus. Man vermutet unwillkürlich eine Waffe dort. Zuweilen fährt eine Hand in die Innentasche; man kann nur spekulieren, ob ein Instrument zur Kommunikation oder eines zum physischen Ausschalten potenzieller Gegner hervorgeholt werden soll.

Die Fotos sind mit diesem Moment möglicher Gefahr aufgeladen. Sie machen neugierig, weil der Betrachter aus den wenigen Details gerne den Zusammenhang ergründen möchte. Ein Umhang aus Leopardenfell im Bildvordergrund lässt an einen afrikanischen Herrscher denken, zum Gebet gefaltete Hände an einen kirchlichen Würdenträger. Eine energisch ausgestreckte Hand oder eine üppige Blumenrabatte lassen vielerlei Deutungen zu.

Binschtok ist mit dem Weglassen der Hauptpersonen ein Coup gelungen. Sie fokussiert auf die Randexistenzen. Fotografie wird so wieder zu einem Medium, das nicht vorgibt, nur abzubilden, was existiert, sondern zum kreativen Ergänzen einlädt.

Den Prozess des Verrätselns setzt die Fotografin gegenwärtig mit einem Ausflug ins Malereifach fort. In – allerdings bei Klemm's nicht gezeigten – Acrylarbeiten verwischt sie fotorealistisch erfasste Konturen zusätzlich mit hellen Farbschichten.

Viktoria Binschtok, Suspicious Minds, Klemm's, Brunnenstraße 7, bis 21.11., Di.-Sa. 11-18 Uhr

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