Eric und Éric: Steve Evets (l.) und Éric Cantona
Foto: dpa
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Jungs im fußballtauglichen Alter mögen heute davon träumen, einmal als zweiter Ronaldinho ihr Kicker-Glück zu machen. Die Generation vor ihnen träumte davon, so zu sein wie Eric Cantona, legendärer Stürmer von Manchester United. Cantona selbst nimmt seit dem Ende seiner Karriere im Profifußball gern mal eine Filmrolle an, und das nicht nur in der Werbung. Im Kostümschinken »Elisabeth« hat er schon mitgespielt, bei Jean Becker in »Ein Sommer auf dem Lande« und zuletzt in der britschen Beziehungskomödie »French Film«.
»Looking for Eric« ist aber ganz sein Film, auch wenn er ihn mit einem zweiten Eric teilt. Ein Film, der Cantona erlaubt, gleichzeitig Star zu sein und mit dem Star-Image zu spielen. Der die Highlights seiner Fußballerkarriere per Video-Wiederholung auf die Leinwand holt – auch der legendäre Vergleich zwischen der gierigen Presse und den Möwen, die in der Hoffnung auf abfallende Sardinen einem Fischkutter folgen, kommt hier noch einmal zu Medienehren. Ein Film, in dem Cantona mal auf Englisch, mal auf Französisch weise klingende Worte raunt, während er als er selbst – »ich bin kein Mann, ich bin Eric Cantona« – als guter Geist über der verkorksten Lebenssituation des anderen, des einfachen Fans und Postboten Eric schwebt, ohne dass das wie ein besonders unverschämter Fall von Selbstbeweihräucherung aussähe.
»Looking for Eric« ist ein untypischer Film für Ken Loach, und das liegt an der Entstehungsgeschichte des Projekts. Denn die Idee zum Film stammt nicht vom Regisseur oder einem seiner Drehbuchautoren, sondern von seinem Star und dessen Brüdern, die einen Film ausheckten, der von der Freundschaft des Fußballstars zu einem Fan handeln sollte. Der gefeierte Agitator Loach war nur der Ausführungsgehilfe einer paneuropäischen Koproduktion. Und so hat nach Mike Leigh, dem anderen britischen Kleine-Leute-Filmer, der mit dem aufreizend lebensbejahenden »Happy-Go-Lucky« das Berlinale-Publikum begeisterte, nun auch Ken Loach seine Komödie gedreht (und mit großem Erfolg in Cannes präsentiert).
Die desaströsen Umstände bei der britischen Eisenbahn in den Jahren nach ihrer Privatisierung schilderte Loach in »Geschichten von den Gleisen« einst als menschliche Tragödie. In »Looking for Eric« nimmt er sich mit Drehbuchautor Paul Laverty die Royal Mail vor, der die Privatisierung erst noch bevorsteht, und zeigt ein (noch) funktionierendes Solidargefüge füreinander und für ihren Job einstehender Arbeiter. Wenn einer wie Eric Bishop (Steve Evets) mal so mies drauf ist, dass er Postsäcke zu Hause bunkert, statt die Briefe auszutragen, wird das von den Kollegen völlig zu Recht als schwerwiegendes Vergehen ernst genommen – und ebenso zu Recht als Hilfeschrei eines überforderten Menschen in der emotionalen Sackgasse verstanden.
Denn Eric, der »kleine« Eric im Unterschied zu Éric, dem »großen« Eric, hat seine liebe Müh' mit den beiden erziehungsresistenten, halberwachsenen Stiefsöhnen. Er behielt sie auch nach dem Abgang ihrer Mutter bei sich und zog sie auf. Seine leibliche Tochter jedoch ließ er Jahre vor dieser zweiten Verbindung samt ihrer Mutter sitzen. Dieser Frau trauert er jetzt heftig nach. Eric hat ein Poster von Cantona an der Wand hängen, seinem Idol. Und weil er außerdem den Joint eines der missratenen Stiefsöhne konfiszierte, erscheint ihm eines Nachts der leibhaftige Fußballgott in Lebensgröße und bringt der verlorenen Seele – ausgerechnet! – das Teamspielen bei.
Ein bisschen stand Filmkarnickel Harvey Pate, ein bisschen der rettende Engel Clarence aus Capras Weihnachtsgeschichte »Ist das Leben nicht schön?«. Von Woody Allens »Mach's noch einmal, Sam« ist was dabei. Und das nicht sonderlich glaubwürdige, aber trotzdem ungeheuer befriedigende Finale ist eine Hommage an den visuellen Clou der vielfachen Malkovichs aus Spike Jonzes »Being John Malkovich«. Am Ende passten sie anscheinend ganz gut zusammen, der Sturkopf Loach und der Sturkopf Cantona, der immer etwas rüpelige Fußballriese und der menschenfreundliche, nimmermüde marxistische Proletarierfilmer.
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