Schnellsuche

Erweiterte Suche

Von Axel Eichholz, Moskau 06.11.2009 / Wirtschaft

Moskau ist angeopelt

Regierung über GM verärgert / Renault soll Lada-Werk stärken

Die Opel-Übernahme durch Magna/Sberbank sollte Teil einer Erneuerungsstrategie für die angeschlagene russische Automobilindustrie sein. Jetzt richtet sich das Interesse auf die Zusammenarbeit von Renault und Lada-AvtoVAZ.

Die Weigerung des US-Konzerns General Motors (GM), Opel an den Autozulieferer Magna und die russische Sberbank zu verkaufen, hat in Moskau erwartungsgemäß für Verärgerung gesorgt. Man sei über die GM-Entscheidung »verwundert«, sagte Regierungssprecher Dmitri Peskow am Mittwoch. Sberbank und Magna würden eine »rechtliche Überprüfung« dieser Entscheidung erwägen. Allerdings werde sich die Regierung an einer solchen Protestaktion nicht beteiligen, falls sie zustande komme.

Erst einen Tag später äußerte sich Premier Wladimir Putin direkt. Mit der Entscheidung stelle GM alle Beteiligten trotz der zuvor getroffenen Vereinbarungen vor vollendete Tatsachen, kritisierte er. Seine Regierung werde zwar in Russland weiter mit GM zusammenarbeiten, aber den »eigentümlichen Geschäftsstil (von GM) im Umgang mit europäischer Konkurrenz« berücksichtigen, warnte der Ex-Kremlchef nach Angaben der Agentur »Interfax«.

Putin hatte den Opel-Verkauf als »Teil der Strategie zur Stützung der russischen Automobilindustrie« begrüßt. Er rechnete mit einer Modernisierung des maroden Wolga-Werkes GAZ in Nischni Nowgorod vor allem durch einen ungehinderten Zugang zu Opel-Technologien. GM äußerte jetzt die Hoffnung, mit GAZ künftig direkt zusammenarbeiten zu können.

In Moskau werde nicht ausgeschlossen, dass der GM-Konzern Magna und Sberbank nur dafür benutzte, um die staatliche Finanzierung der deutschen Opel-Werke durchzusetzen, heißt es in der Tageszeitung »Kommersant«. Vermutlich habe GM Opel von Anfang an nicht wirklich verkaufen wollen, meint Michail Pak von der Investmentgesellschaft Aton. Das Scheitern des Abschlusses mit Magna und Sberbank sei nicht weiter verwunderlich, zumal es von Anfang an mehr Fragen als Antworten gab. So habe GM auf der Möglichkeit eines Rückkaufs bestanden und freien Zugang der russischen Autobauer zum Opel-Know-how abgelehnt.

Als Nutznießer der jüngsten Entwicklung um Opel kann sich womöglich das russische Lada-Werk AvtoVAZ in Togliatti entpuppen. Putins Sprecher Peskow versicherte, die Regierung werde der eigenen Automobilindustrie weiterhin bei der Krisenbewältigung helfen. Unter anderem sei sie bereit, AvtoVAZ tatkräftig zu unterstützten. Bisher wurde sogar mit einer Renationalisierung der Autofabrik mit ihren 120 000 Beschäftigten gerechnet. Putin hatte wiederholt zu verstehen gegeben, dass sich Moskau deren Schließung nicht leisten kann und will. Dies würde das Aus für die ganze »Autostadt« an der Wolga bedeuten.

Gestern machte in Moskau eine Meldung die Runde, wonach Putin rund 55 Milliarden Rubel (1,3 Milliarden Euro) an Fremdinvestitionen zur Stützung des Lada-Werkes auftreiben will. Die Regierung suche nach einem strategischen Investor für Lada, heißt es. Dafür komme vor allem der Renault-Konzern in Betracht, der seinen Anteil an AvtoVAZ auf das Kontrollpaket ausbauen wolle. Es gab zunächst keine offizielle Bestätigung dafür. Die Nachrichtenagentur Reuters, von der die Information ursprünglich ausging, bezog sich auf eine Quelle bei der russischen Regierung.

Es sei beinahe zu schön, um wahr zu sein, meinte ein Moskauer Autoexperte. Falls die Meldung stimme, wäre dies die einzig richtige Entscheidung für AvtoVAZ.

Kommentare zu diesem Artikel

Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Mein ND
Login
Fotostrecke

Oscar-Verleihung 2010

Fotostrecke

LINKE

LINKE

Führungswechsel in der LINKEN

Umfrage

Leserpreis 2010

Auszeichnung beim ND-Pressefest

Rennsteiglauf

Durch Thüringen laufen

ND bildet eine Mannschaft

Radrennen

Im Mai: Velothon in Berlin

ND bildet eine Mannschaft

Rückblick

Blick ins eigene Blatt

Themen von 1990 - noch aktuell?

Leser-Kommentare
Termine
Neues aus dem ND-Shop
Hier Tickets gewinnen!

LiMA 2010

Der Kongress für linke Medienmacher.

ND bei Twitter

Folgen Sie uns!

Nachrichten aus der Online-Redaktion

ND-Probeabo

ND unverbindlich testen

Hier Ihre kostenlose Leseprobe bestellen

ND-Newsletter

Täglich gut informiert.

Jetzt hier kostenlos abonnieren!

ND im Club - 25.03.2010

»Erwin Strittmatter: Krieg der Väter«

Buchpremiere mit Günter Drommer.

ND-Shop

Märkische Chronik

Serie des DFF über ein Dorf in Brandenburg.

ND-Shop

Kalender Bildende Kunst

Malerei aus der DDR

 
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Prager Frühling

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.