Während viele Gewerkschafter die CSR für einen teuren PR-Gag von Konzernen halten, sehen andere in entsprechenden Erklärungen ein öffentliches Druckmittel, zumal viele Firmen ihr Image nicht gefährden wollten. In Krisenzeiten sterbe der soziale, verantwortungsvolle Managertypus aus, erklärte IG-Metall-Mitbestimmungsexperte Thomas Otto. Arbeitnehmervertreter erlebten den Widerspruch zwischen Dumpingbedingungen und Außendarstellung der Konzerne. CSR könne zur Verbesserung nationaler und internationaler Arbeitsbedingungen beitragen, aber nur, wenn die Sozialpartner auf Augenhöhe verhandelten und Regeln einklagbar seien.
Auf die Kluft zwischen den CSR-Ansprüchen des Hotelkonzerns Hilton und der Wirklichkeit wies der Mainzer Hilton-Betriebsrat Manfred Monje hin. So bestimme der Konzernvorstand in den USA ohne Betriebsräte und Gewerkschaften, was CSR sei. Von den Hilton-Führungskräften seien nur fünf Prozent Frauen. Es sei ein Glaubwürdigkeitsproblem, dass der Vorstandschef des Mutterkonzerns Blackstone ein Jahresgehalt von 700 Millionen Dollar bezöge, während ein deutscher Hotelkoch nach dreijähriger Ausbildung nur 1400 Euro im Monat verdiene.
Wolfgang Mann, Betriebsratsvorsitzender der Robert Bosch GmbH in Leinfelden, beschrieb den Widerstand gegen Konzernpläne zur Produktionsverlagerung nach China ab 2003. Seine Belegschaft habe zunächst eine Einheit mit den Beschäftigten im Bosch-Werk in Sebnitz hergestellt und somit »in Deutschland geübt, was in Europa noch schwerer ist«. Schließlich habe der Betriebsrat chinesische Werke vor Ort aufgesucht. Dabei seien Missstände und schlechte Arbeitsbedingungen, etwa gebückte Körperhaltung oder ungeschützte Arbeit mit hochgiftigen, krebserregenden Stoffen, aufgefallen. Bosch hatte mit seinen Zulieferern eigentlich die Einhaltung der Kernarbeitsnormen des UNO-Ablegers Internationale Arbeitsorganisation (ILO) vereinbart. Dazu gehören Gewerkschaftsrechte, Abschaffung von Zwangsarbeit und Kinderarbeit sowie ein Diskriminierungsverbot. »Die Realität sah anders aus«, so Mann.
Schließlich hätte man erreicht, dass die Konzernleitung Lieferanten schärfer unter die Lupe nimmt. »Der Anspruch der Geschäftsführung war für uns ein Hebel«, so der Betriebsrat rückblickend: »Wir nahmen sie beim Wort und forderten die Umsetzung.« In einer solchen Begleitung lägen Risiken, aber auch Chancen.
Hans-Ulrich Tölch, Betriebsratsvorsitzender im Standort Hamburg des Pharma-Weltkonzerns GlaxoSmithKline (GSK), stellte weltweite Gesundheitsprogramme und Pandemieplanungen von GSK vor. So habe sich GSK verpflichtet, Medikamente zur Bekämpfung der Lymphatischen Filiarsis (Elephantiasis) nach Absprache mit der Weltgesundheitsorganisation WHO unentgeltlich an einschlägige Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen zu liefern.
Im Zusammenhang mit der von der GSK-Geschäftsleitung erstmals 2004 anberaumten Freistellung von Mitarbeitern an einem bestimmten Arbeitstag zur Ableistung sozialer Dienste, dem Orange Day, hatte es in Belegschaft und Betriebsrat intensive Diskussionen gegeben. Da die Medien über den Orange Day berichteten und dies der Firma zur öffentlichen Imagepflege diente, »wollten nicht alle Beschäftigten als Werbeträger auftreten«. Der Betriebsrat habe sich schließlich nach einer lebhaften und kontroversen Diskussion aufgrund der Freiwilligkeit für diese Projekte entschieden, so Tölch.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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