René Heilig
07.11.2009
Personalie

Hanning geht

August Hanning studierte bis 1975 Rechtswissenschaften in Freiburg und Münster

Gerade noch hat der Staatssekretär im Bundesinnenministerium Dr. August Hanning der Bundestags-LINKEN in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage Bescheid gegeben, weshalb die nicht so zetern sollten, wenn sie vom Verfassungsschutz beobachtet werden – und schon ist er weg vom Fenster. Doch die LINKE wäre der letzte aller Gründe, den Mann in den Ruhestand zu schicken. Nein, der neue Innenminister kann oder will nicht mehr mit ihm. Thomas de Maizière (CDU) wird schon wissen, warum es zwischen beiden nicht geht. Schließlich hat er als Kanzleramtschef – zuständig für alles Geheime – viel zu tun gehabt mit Hanning, der als Fachmann auf den Gebieten der Nachrichtendienste und der Terrorismusabwehr gilt. 1996 war der heute 63-Jährige zum Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt ernannt und als Koordinator der Nachrichtendienste eingesetzt worden. Von 1998 bis 2005 präsidierte er beim Bundesnachrichtendienstes. Im Dezember 2005 wechselte Hanning als beamteter Staatssekretär ins Bundesinnenministerium. Dort war er unter Wolfgang Schäuble (CDU) für Innere Sicherheit und Polizeiangelegenheiten zuständig.

Hanning ist eine asketische Erscheinung. Es wird wohl niemanden geben, der ihm das Attribut charmant zubilligt. Schon gar nicht dann, wenn er – wie vor dem BND-Untersuchungsausschuss geschehen – ehemalige Mitarbeiter beim BND als unfähig denunziert, um seinen Hals zu retten. Der war in der Schlinge, als es um die »Verschickung« mutmaßlicher Terroristen in US-Foltergefängnisse und die Bespitzelung von deutschen Journalisten ging.

Wie man hört, werden ihm auch nicht viele Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums Tränen nachweinen. Allenfalls spezielle Journalisten aus dem Großraum München, denen er – und sei es nur aus heimatlicher Verbundenheit – so Interna gesteckt hat, werden den Verlust (an Indiskretion) beklagen.

Was macht nun der Pensionär Hanning? Vielleicht alte Fotos in Alben kleben. Darunter sind dann sicher auch jene, die im zerstörten tschetschenischen Gudermes aufgenommen wurden, wo er sich als BND-Chefagent im Jahr 2000 mit Kollegen des russischen FSB getroffen hat, um Material über Islamisten auszutauschen.