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Von Anke Engelmann, Leipzig
09.11.2009

Attac will Verursacher der Krise vor Tribunal bringen

Das globalisierungskritische Netzwerk traf sich zum Ratschlag in Leipzig und wartet mit interessanten Vorschlägen auf

Attac will die Verantwortlichen für die Bankenkrise vor ein »zivilgesellschaftsrechtliches« Tribunal zitieren – das ist eines der Projekte, die am Wochenende auf dem Attac-Ratschlag vorgestellt wurden.

Es ist fünf vor zwölf, doch die Teilnehmer des Workshops »Die globale Dimension der Krise« stecken noch mitten in der Diskussion: Welche Gremien sollen für eine gerechtere Welt sorgen – eine veränderte UNO oder eine alternative Clearing-Union? G 8, G 20, G 192 oder am besten gleich eine »G 6,7 Milliarden«? Wenig Zeit bleibt für Überlegungen zu konkreten Aktionen. »Die passieren sowieso in den Gruppen vor Ort«, erläutert ein Delegierter aus Mainz später beim Mittagessen. Workshops, Arbeitsgruppen, Haushaltsentscheidungen, Wahlen zu Attac-Rat und Koordinierungskreis – ein volles Programm für die etwa 180 »Attacies« und Sympathisanten, die am Wochenende zum Ratschlag nach Leipzig gereist waren. Der Ratschlag ist das höchste Entscheidungsgremium der globalisierungskritischen Organisation und kommt zweimal jährlich zusammen.

Ein große Rolle spielten diesmal strategische Überlegungen, für die der Koordinierungskreis bereits die Richtung festgelegt hatte: Attac müsse sein eigenständiges Profil erhalten, auch gegen Linkspartei oder Gewerkschaften, und nach neuen und handlungsfähigen Allianzen suchen – auf nationaler, europäischer und globaler Ebene. Zunächst jedoch findet die Bildung von handlungsfähigen Allianzen in den Ratschlag-Pausen statt. Alte Attac-Hasen treffen Neuzugänge, Kontakte werden geknüpft, Telefonnummern und Infos weitergereicht. Zehn Jahre hat das globalisierungskritische Netzwerk nun schon auf dem Buckel und breitet sich immer weiter aus – eine Erfolgsgeschichte, die vor allem auf öffentlichkeitswirksamen Aktionen und handfesten Analysen beruht. Doch die Euphorie der Gründungstage von Attac ist mittlerweile verflogen. Der Organisation fällt es schwerer, medial präsent und gesellschaftlich relevant zu bleiben. »Wir müssen aufpassen, dass wir nicht im eigenen Saft schmoren«, meint Wolfgang Franke von der Leipziger Attac-Gruppe. Bei der Fortschreibung der Attac-Erklärung »Wir zahlen nicht für eure Krise« wird heftig debattiert um Formulierungen wie »Kapitalismus«, »finanzgetriebener Kapitalismus« oder »Marktwirtschaft«. »Nach zehn Jahren Attac sollte über diese Begriffe Übereinstimmung herrschen«, stöhnt eine Teilnehmerin. »Wir müssen uns immer wieder neu verständigen«, sagt eine andere.

Welche Themen könnten die Menschen noch auf die Straße bringen? Diese Frage in Murmelgruppen zu bereden, sei keine gute Idee, meinen die meisten. Attac funktioniere, »weil Leute einfach was in die Hand nehmen«, meint eine Delegierte. Anders gesagt: »Wer macht, macht« und »Unsere Stärke ist die Vielfalt«. Die Atmosphäre wird lebendiger, als es um konkrete Projekte geht. So plant die Berliner Attac-Gruppe zusammen mit der Berliner Volksbühne ein Bankentribunal. Attac will denen, die für die Bankenkrise verantwortlich sind, einen »zivilgesellschaftsrechtlichen Prozess« machen: Mit Anklage, Verteidigung und einem Forum der Alternativen. Andere »Attacies« bereiten zudem Kongresse zu Wachstum und Umverteilung vor, eine Belegschaftskampagne sowie eine Anti-Privatisierungskampagne inklusive Kino- und Radio-Spot, Schwarzbuch und Datenbank. Und nicht zuletzt steht zum zehnjährigen Geburtstag ein »rauschendes Fest« an.

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