Von Martin Ling
10.11.2009

Chinas Griff nach Afrikas Quellen

Konkurrenz belebt das Geschäft, so könnte ein optimistisches Szenario für Afrika aussehen. Das gewachsene Interesse seitens Chinas, das dem bisherigen Handelspartner Nummer 1, den USA, 2010 den Rang abzulaufen droht, hat sich auf dem schwarzen Kontinent in den letzten Jahren in relativ hohen Wachstumsraten niedergeschlagen. Und dass das so weitergehen soll, wurde beim China-Afrika-Forum im ägyptischen Scharm el-Scheich am Wochenende deutlich: Zehn Milliarden Dollar sagte Peking an Krediten zu, um afrikanischen Staaten in der globalen Finanzkrise beim Überbrücken von Engpässen zu helfen. Doch selbstredend betreibt auch China primär Interessenpolitik in eigener Sache. China ist dabei bisher jedoch stärker als die alten Imperien darauf bedacht, die afrikanischen Staaten als gleichberechtigte Partner zu behandeln. Wirtschaftliche Zusammenarbeit zu beiderseitigem Nutzen stellt Peking ganz ohne Vorbedingungen oder gar Einmischung in innere Angelegenheiten in Aussicht. Chinesische Unternehmen investieren dort, wo Profite winken – ohne dass eine »Gute Regierungsführung« eingefordert wird. Allerdings laufen auch die Beziehungen zwischen China und Afrika weitgehend entlang einer traditionellen Nord-Süd-Arbeitsteilung: Afrika ist Rohstofflieferant und Absatzmarkt für Industriewaren. Bisher ist China so wenig bereit wie die USA oder die EU, generell asymmetrischen Handel zu betreiben, der den afrikanischen Märkten einseitig Schutz zugestehen würde. Für nachholende Entwicklung ist das allerdings unabdingbar, denn Rohstoffquellen sind endlich. Und vom Wachstum der letzten Jahre ist unten ohnehin nichts angekommen: Über 300 Millionen der gut 900 Millionen Afrikaner leben statistisch von weniger als einem US-Dollar pro Tag.

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