Von Bernd Kammer
10.11.2009

Mauerpark als »Vorgarten für Townhäuser«?

Anhörung im Parlament: Anwohner lehnen geplante Bebauung am Rand der Grünfläche ab

Der Mauerpark zwischen Prenzlauer Berg und Wedding harrt seit Jahren seiner Vollendung. Vor genau 15 Jahren wurde der erste Bauabschnitt eingeweiht, mittlerweile ist der Park auf acht Hektar Fläche angewachsen, rund sechs Hektar auf Weddinger Seite, wo sich derzeit ein Gewerbegebiet erstreckt, fehlen noch an der ursprünglichen Planung. »20 Jahre nach dem Mauerfall sollte endlich der Weg zur Fertigstellung freigemacht werden«, forderte gestern bei einer Anhörung im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Michail Nelken (LINKE).

Das scheiterte bisher an den Besitzverhältnissen. Der Großteil der fehlenden Flächen gehört dem Immobilienunternehmen Vivico, einer früheren Tochter der Deutschen Bahn. Der Bezirk Mitte sucht seit Jahren nach einem Kompromiss, um einen Teil der einstigen Bahnflächen für den Park zu sichern und der Vivico trotzdem nicht ihre Baupläne zu vermasseln. Wie weit er damit gekommen ist, war gestern leider nicht zu erfahren: Bei der Anhörung im Parlament fehlte mit Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) der wichtigste Mann. Er will am 25. November erst seine Bezirksverordneten über das Parkkonzept informieren, bevor er sie der breiten Öffentlichkeit vorstellt.

Vor drei Wochen allerdings verkündete Gothe bereits einen Kompromiss zwischen Vivico und dem Bezirksamt. Demnach spendiert das Unternehmen einen etwa 50 Meter breiten und 1000 Meter langen Streifen – insgesamt 5,6 Hektar – für den Park und erhält im Gegenzug Baurecht für etwa ebenso viel Fläche. An der westlichen Parkgrenze könnten so sechsgeschossige Häuser entstehen.

Während Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) diese Pläne unterstützt, stoßen sie bei Anwohnerinitiativen, dem Bezirk Pankow, Linkspartei und Grünen auf teils heftige Ablehnung. Der Bürgerverein Gleimviertel moniert, dass mit dem Gebäuderiegel die Trennung zwischen Ost und West, zwischen Prenzlauer Berg und Wedding verfestigt wird. »Der Mauerpark wird zum Vorgarten für Townhäuser«, befürchtet Vereinssprecher Heiner Funken und warnt vor Konflikten zwischen den neuen Anwohnern und Parknutzern: »Dann darf um 15 Uhr im Park nicht mehr getrommelt werden.«

Ähnlich sieht das auch der Bezirk Pankow. »Das ist ein soziokultureller Ort, hier treffen sich Menschen aus allen Teilen der Stadt«, so Michail Nelken. Wenn das Areal bebaut würde, wären Nutzungskonflikte programmiert. Außerdem sei für Berlin der Tausch Baurecht gegen Fläche ein schlechtes Geschäft: Mit der Bauwertsteigerung mache Vivico trotz Abgabe eines Teils der Fläche einen »unerhörten Gewinn«. Denn derzeit ist das gesamte Areal im Flächennutzungsplan als Grünfläche ausgewiesen und dürfte als solche nicht bebaut werden. Nelken kann sich allenfalls eine Bebauung an der Ecke Eberswalder/Bernauer Straße und am Bahn-Nordkreuz vorstellen, wo der Park weniger stark genutzt wird.

Sollte sich Berlin nicht bald auf die Vollendung des Parks einigen, könnte es für die Stadt teuer werden: Die Allianz-Stiftung finanzierte das Projekt in den 90er Jahren mit 4,5 Millionen Mark unter der Bedingung, das bis 2010 wenigstens zehn Hektar Parkfläche fertig sind. Ansonsten muss das Land die Gelder zurückzahlen. Am kommenden Sonnabend wollen die Anwohnerinitiativen vom Mauerpark zum Roten Rathaus demonstrieren.

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