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Von Heinz Kersten 16.11.2009 /

Im Zeichen des Granatapfels

19. Festival des osteuropäischen Films Cottbus

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Bei Lausitz denkt man an Gurken. Cottbus aber war in den vergangenen Tagen voller Granatäpfel. Allerdings gab es das exotische Obst nur auf den Plakaten für das 19. Festival des osteuropäischen Films, und hier standen sie für die besondere Reihe »Neues Kino vom Schwarzen Meer«. In dieser Region gelten die roten Früchte als Symbol für Gesundheit und Fruchtbarkeit. In der Universitäts-Mensa konnte man die Probe aufs Exempel machen. Hier gab es jeden Tag ein Spezialgericht aus einem der Länder. Cinéasten erinnerten sich an einen Film des großen armenischen Regisseurs Sergej Paradjanov, »Die Farbe des Granatapfels« (1970).

Gezeigt wurden Produktionen aus allen Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres inklusive der Türkei, die damit zum ersten Mal in Cottbus vertreten war. Ohnehin wurde der Begriff Osteuropa nie ganz genau genommen. Die früheren sowjet-asiatischen Republiken gehörten immer genau so dazu wie das Baltikum, und von der zunehmenden auch kinematografischen Globalisierung zeugen zahlreiche Ost-West-Koproduktionen. Ohne sie würden manche Filme gar nicht entstehen, und seit elf Jahren bringt das Festival unter dem Motto »Connecting Cottbus« mögliche Partner zusammen.

Gemeinsamkeiten der Schwarzmeerländer drückte am besten der Titel des georgischen Beitrags »Die Konfliktzone« von Vano Burduli aus. Nach realen Begebenheiten erzählt er die Geschichte zweier ungleicher Charaktere während der bei uns kaum bekannten Konflikte zwischen Georgien, Armenien und Aserbaidshan unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Ein georgischer Scharfschütze und ein Drogendealer aus Tiflis sollen in Aserbaidshan Nachschubmunition organisieren, die sich am Ende als unbrauchbar erweist.

Die Sinnlosigkeiten von Kriegen war ein mehrfach variiertes Thema. Den stärksten Eindruck hinterließ der verdient mit dem Hauptpreis ausgezeichnete Debütspielfilm »Ordinary People« von Vladimir Perisic aus Serbien. Eine fast wortlos in langen Einstellungen stilisierte Parabel auf die Entstehung von Kriegsverbrechen. In einem nicht lokalisierten Land liquidiert ein Erschießungskommando mehrfach angelieferte »Terroristen«, wobei sich ein anfangs verweigernder »Neuer« schließlich auch dem Gruppenzwang unterwirft. Ähnlich zeichnet der mit einer Hälfte des Regiepreises bedachte kroatische Beitrag »Die Schwarzen« von Zvonimir Juric und Goran Devic das Psychogramm einer Männergruppe am Ende der Kampfhandlungen. Die andere Hälfte des Preises für den besten Regisseur verdiente sich Alexej Mizgirev für »Buben Baraban«, eine tragische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund von Betrug und Korruption beim Übergang zur Marktwirtschaft in einem trostlosen russischen Provinznest. Bewegende Hauptdarstellerin: Natalya Negoda, die »Kleine Vera« von 1988.

Natürlich kam man auch in Cottbus nicht ums 20. Wende-Jubiläum herum. Wer glaubte, davon schon alles gesehen zu haben, wurde mit einer Entdeckung überrascht: Produktionen aus den einst über 250 Amateurfilmstudios in Betrieben und Kultureinrichtungen der DDR, die Sozialkritik und künstlerische Ambitionen verrieten. Erwähnt seien nur drei Perlen: die unverhüllt ironische Mediensatire in Mario Achsnicks Stummfilm »Was sagt Cho-Ba-Kow?« von 1988, »Willkommen in der Kantine« von Peter Welz (HFF 1988) mit der surrealen Handschrift von Frank Castorf und »Der kleine Clown«, 1985 von Andreas Dresen mit u.a. Ulrike Krumbiegel gedreht als Reaktion auf die vorjährige Stasi-Konfiszierung seines Films über die Ausreisewelle.

Beiträge des Cottbuser Festivals zeigt vom 16. bis 18.11. das Berliner Kino Krokodil

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