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Michael Schulze von Glaßer 17.11.2009 / Inland

Warmlaufen für den Tag X

Münsterländer Atomkraftgegner bereiten sich auf Castor-Transporte ins Depot von Ahaus vor

Noch in diesem Jahr könnten die ersten Atommülltransporte ins atomare Zwischenlager Ahaus fahren. Anti-Atom-Initiativen aus dem Münsterland bereiten derzeit Protestaktionen vor.

Trotz trüben Wetters zogen am Sonntag 150 Atomkraftgegner durch Ahaus und protestierten gegen geplante Atommülltransporte. Schon am 7. November hatte es im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages gleich mehrere Anti-Atom-Aktionen im Münsterland gegeben.

Die Atomkraftgegner aus dem Münsterland laufen sich für die anstehenden Castor-Transporte warm. Über 300 Atommüllbehälter sollen demnächst zur Zwischenlagerung nach Ahaus gebracht werden. Das bereits 1982 in Betrieb genommene Lager ist momentan nur zu zehn Prozent ausgelastet, die ersten Transporte zur Füllung könnten schon Ende Dezember rollen. Die Genehmigung zur Einlagerung von Betriebs- und Stilllegungsabfällen aus deutschen Atomkraftwerken erteilte die Bezirksregierung am 11. November. Über die genaue Herkunft und die Zahl der Transporte schweigen sich die Behörden aus. An die Öffentlichkeit gelangte jedoch, dass mindestens 150 Atommüllbehälter aus dem Kernforschungszentrum Jülich bei Aachen nach Ahaus gebracht werden sollen.

Der Versuchreaktor Jülich wurde bereits 1988 aufgrund zahlreicher Störfälle abgeschaltet und befindet sich im Rückbau – die verstrahlten Baustoffe sollen in Ahaus eingelagert werden. Ob die Transporte per Zug oder per Lastwagen-Konvoi abgewickelt werden, ist noch unbekannt.

Quer durch Hessen

Darüber hinaus erwarten Umweltschützer weitere 150 Castoren per Zug aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague. »Es wird allein aus Frankreich mindestens ein halbes Dutzend Transporte geben«, befürchtet Matthias Eickhoff, Sprecher des Bündnisses Münsterland gegen Atomanlagen. Um die Fahrt durch das dicht besiedelte Ruhrgebiet zu vermeiden, wird der Zug – wie bei den Gorleben-Transporten üblich – quer durch Hessen und dann Richtung Westen ins Münsterland fahren.

Eickhoff warnt auch vor den neuen Transportbehältern, die bei den kommenden Transporten aus Frankreich erstmals zum Einsatz kommen sollen. Diese seien nur unzureichend getestet. Kritisiert wird auch die Geheimhaltungstaktik der Behörden, die die Bevölkerung nie über anstehende Transporte informierten und Gefahren herunterspielten: »Falls etwas passiert, werden die meisten Menschen nicht wissen, was sie tun sollen«, so der Sprecher.

Auf große Protestaktionen bereiten sich die staatlichen Sicherheitskräfte vor: Bereits am vergangenen Sonntag war die Polizei gleich mit einer ganzen Hundertschaft bei der Demonstration in Ahaus. Am Tag der Transporte werden mehrere tausend Polizisten im Einsatz sein. Auch der Verfassungsschutz beschwört bereits gewalttätige Aktionen seitens der Atomkraftgegner.

Abendliche Mahnwachen

Dennoch planen die Anti-Atom-Initiativen gleich mehrere Protestaktionen gegen die anstehenden Transporte: Bis Freitag wird es jeden Abend eine Mahnwache am atomaren Zwischenlager geben. Für den 20. Dezember wird bundesweit zu einer Großdemonstration in Ahaus aufgerufen. Auch am Samstag nach dem »Tag X«, dem ersten Transport ins Zwischenlager Ahaus, soll demonstriert werden. »Wenn die Termine der Transporte bekannt sind«, kündigt Matthias Eickhoff an, »wird es weitere Aktionen geben.«

www.kein-castor-nach-ahaus.de

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