Martin Sabrow 21.11.2009 / Geschichte
Thema: Die DDR im Jahr 1989

Wende oder Revolution?

Keinesfalls nur eine scholastische Frage. Der Herbstumbruch vor 20 Jahren im deutschen Geschichtsbewusstsein

Unblutige Konfrontation, weil »anders als der Nationalsozialismus die DDR keinen Zivilisationsbruch markiert«.

Der Herbstumbruch von 1989 hat zu einer eigentümlichen Renaissance des Revolutionsbegriffs geführt. Und diese Wiedererweckung ist von einer eigentümlichen historischen Frontverkehrung begleitet: Konservative Geister rühmen die erste geglückte deutsche Revolution von 1989. Eher links stehende Antipoden tun sich schwer mit ihr und ihren Ergebnissen, wie erst vor wenigen Wochen der öffentliche Streit zwischen Bärbel Bohley und Joachim Gauck über ihre Haltung zu Mauerfall und Wiedervereinigung lehrte. Noch eigentümlicher ist, das ausgerechnet staatliche Einrichtungen und Ämter wie des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, der ein revolutionsgeschichtliches Stelenprojekt in Berlin fördert, oder die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Bezug auf »1989« eine enge Affinität zum Revolutionstopos pflegen, während der alltägliche Sprachgebrauch der ganz überwiegenden Mehrheit in der Gesellschaft die Rede von der »Wende« bevorzugt. Anders gesagt: Die Gesellschaft, die allein in die Rolle des revolutionären Subjekts schlüpfen kann, tendiert dazu, den Revolutionsbegriff zu meiden. Der Staat hingegen, gegebenenfalls das genuine Opfer revolutionärer Eroberung, favorisiert ihn ungeachtet seiner strukturellen Bindung an Legalität und Kontinuität. Wie erklärt sich dieses Paradoxon, und wie lässt sich der semantische Streit um Wende und Revolution erklären?

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