Von Volker Stahl, Hamburg
25.11.2009

Fische weiter stark gefährdet

Greenpeace stellt neuen Fischratgeber vor / Bestände vor dem Kollaps

Jeder Deutsche isst statistisch gesehen jährlich 15,6 Kilogramm Fisch. Angesichts schrumpfender Bestände fragen kritische Verbraucher: Welchen Fisch darf ich noch essen? Antworten liefert Greenpeace im Ratgeber »Fisch – beliebt, aber bedroht«.

Das Kredenzen von Fischhäppchen bei der Vorstellung des aktuellen Fischverzehr-Ratgebers verkneift sich Greenpeace seit einiger Zeit – denn Fisch wird immer knapper. Eine Empfehlung zur vegetarischen Kost sprach Kampagnenleiterin Iris Menn aber nicht aus: »Es geht uns nicht darum, den Fisch vom Teller zu verbannen.« Ziel sei es, Voraussetzungen für einen nachhaltigen und transparenten Fischeinkauf zu schaffen.

Die Lage der weltweit untersuchten 250 Fischbestände sei weiter »dramatisch«, so Menn: »Viele brauchen endlich eine Pause von der Fischerei.« Greenpeace rät deshalb, auf Rotbarsch, Scholle, Seeteufel, Alaska-Seelachs, Aal, Granatbarsch, Marlin, Seehecht, Steinbeißer, Viktoriabarsch und Wittling zu verzichten. Auch der als Schillerlocke bekannte Fischhappen stammt von einem Tier, dessen Bestand vor dem Kollaps steht – dem Dornhai. Der ist als Opfer »meist zerstörerischer Grundschleppnetzfischerei« besonders gefährdet: Er wird sehr spät geschlechtsreif und hat nur wenige Nachkommen.

Genauer hinschauen sollen Verbraucher bei Kabeljau, Heilbutt oder Dorade. Hier hänge die Empfehlung von Fanggebiet oder der -methode ab. Für akzeptabel halten die Greenpeace-Experten Doraden aus traditioneller Haltung in Lagunen in Griechenland und der Türkei. Auch Heilbutt pazifischer Herkunft sei noch guten Gewissens zu verzehren. Fischstäbchen sind dagegen nur noch okay, wenn sie aus Pangasius hergestellt wurden. Viele enthalten immer noch den stark bedrohten Alaska-Seelachs.

Bei Hering, Zander, Bachforelle, Sardine, Makrele und Karpfen erteilt Greenpeace mit einer blauen Markierung die Absolution zum Verzehr – in einigen Fällen aber mit Einschränkung. Im Nordostatlantik gefangene Fische sollte man nicht in den Einkaufskorb legen. Hier setze man auf die »Macht des Verbrauchers«. Auch die Politik müsse umdenken, wie der Fall des bedrohten atlantischen Blauflossen-Thunfischs zeige. Statt eines Fangstopps würden neue Fangquoten beschlossen, kritisierte Menn, obwohl einige Länder für ein Verbot votiert hätten.

»Die Politik wird ihrer Verantwortung leider nicht gerecht. Sie schafft es nicht, sich gegen die Front aus Fischereiländern, Industrie und Handel durchzusetzen«, kritisierte Menn. Die Folgen dieser Schwäche sind auch in der EU zu beobachten: Deren Fischereikommissar Joe Borg listet in seinem aktuellen Grünbuch erschütternde Fakten auf: 88 Prozent der europäischen Speisefischbestände sind überfischt, 30 Prozent werden sich vielleicht nicht mehr erholen.

Der Fischratgeber findet sich im Internet unter: www.green-peace.de/themen/meere/fischerei.

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