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Wie kann man Gewalt vorbeugen?

Katja Grieger fordert mehr Geld und Unterstützung für Frauenberatung / Die 35-jährige Diplompsychologin ist Koordinatorin des Bundesverbandes Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe

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ND: Hat sich beim Thema Gewalt gegen Frauen etwas verändert?
Grieger: Es gibt keine Hinweise, dass der Umfang größer oder geringer geworden ist. Mittlerweile trauen sich aber mehr Frauen, die Gewalt öffentlich zu machen und sich Unterstützung zu suchen. Daraus resultiert ein deutlicher Anstieg an Frauen, die unsere Beratungseinrichtungen frequentieren. Wir führen das auf eine stärkere Öffentlichkeit zurück.

Damit das so bleibt, haben Sie gestern die neue Kampagne »Raus aus der Ohnmacht« gestartet. Worum geht es da?
Wir wollen Frauen ermutigen, aus einer ohnmächtigen Situation herauszufinden, und Angehörige oder Freunde, sie dabei zu unterstützen.

Zur Unterstützung gehören ja auch immer Finanzen, aber man hört aus allen Bundesländern, dass Beratungsstellen und Frauenhäuser zu wenig Geld bekommen.
Das trifft ganz klar auf alle Einrichtungen zu, also Frauenberatungsstellen, Frauennotrufe und Frauenhäuser. In jedem Bundesland ist die finanzielle Situation anders und es gibt große Unterschiede. Aber nirgendwo reicht die Förderung wirklich aus. Wir fürchten allerdings, dass uns noch schwierigere Zeiten bevorstehen. Die öffentlichen Haushalte sind leer gemacht, das Geld ging an die Banken und das Thema ist unbequem. Viele unserer Einrichtungen müssen sich neben ihrer eigentlichen Beratungsarbeit damit beschäftigen, Geldmittel aus Spenden, Stiftungen oder sonstigen Quellen zu besorgen.

Mit Hilfe der Krise wird das unbequeme Thema an den Rand geschoben?
Wir versuchen immer wieder, das Thema mit wirksamen Kampagnen im Bewusstsein zu halten. Doch gerade in politischen Entscheidungsgremien gibt es viele Menschen, die sehr betroffen sind, wenn sie die Opferzahlen hören, das Problem aber trotzdem weiter erdulden, statt es mit ausreichend Geld effektiv zu bekämpfen.

Wie viele Frauen werden Gewaltopfer?
Jede dritte Frau ist einmal in ihrem Leben betroffen. Das ist das Ergebnis einer 2004 veröffentlichten repräsentativen Studie, in die auch das Dunkelfeld mit einbezogen wurde. Da ist die schwere Misshandlung über Jahrzehnte in der Partnerschaft ebenso eingeschlossen wie die Vergewaltigung auf der Straße, der weniger schwere Übergriff oder die einmalige Ohrfeige. Abgesehen vom Leid sind die Folgen von Gewaltausübung mit immensen Kosten verbunden. Es kommt zu Arbeitsausfällen wegen Krankheit und steigenden Krankenkassenkosten. Teilweise tragen betroffene Frauen ihr ganzes Leben lang chronische Erkrankungen mit sich herum. Sie machen Psychotherapien, das ist alles teuer. Die Kosten könnten reduziert werden, wenn man mehr in Prävention investieren würde.

Wie könnte das aussehen?
Gelungene Prävention wäre es, wenn eine Frau, die zum ersten Mal in ihrer Partnerschaft eine Ohrfeige bekommt, so eine gute Beratung und Begleitung erfährt, dass sie sich in ihrer Partnerschaft wieder auf Augenhöhe bringen kann oder sich aus einer drohenden Gewaltsituation entfernt. Dann muss sie nicht zwei Jahre später im Krankenhaus landen, weil die Situation eskalierte.

Wie viele Beratungsstellen und Frauennotrufe betreiben Sie?
150 sind im Bundesverband organisiert.

Fragen: Silvia Ottow

www.frauen-gegen-gewalt.de

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