An Pathos fehlt es Venezuelas Präsident selten: Als »Gladiator des antiimperialistischen Kampfes« würdigte Hugo Chávez Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad bei dessen Visite. Bis auf Argentinien, das Iran als Drahtzieher hinter zwei Anschlägen gegen die israelische Botschaft und ein jüdisches Kulturzentrum in den 90er Jahren wähnt und deswegen eine Eiszeit verhängt hat, ist Ahmadinedschad in Lateinamerika willkommen. Das gilt nicht nur für Chávez und Kuba, auch Brasilien und Bolivien haben ein begründetes Interesse an einer wirtschaftlichen Kooperation.
Bei allem Pathos folgt auch Chávez' Außenpolitik in erster Linie handfesten Interessen. Dass die USA 2002 in den gescheiterten Putschversuch gegen ihn verwickelt waren, wird in Washington nicht ernsthaft bestritten. Ein zweites solches Vorhaben will Venezuelas Präsident schon im Keim ersticken. Materiell über Waffenkäufe in Russland und Weißrussland und diplomatisch über die Zusammenarbeit mit Ländern, die nicht nach der Pfeife der USA tanzen – erst recht, seitdem die USA mit sieben Militärbasen in Kolumbien das Bedrohungsszenario verschärft haben.
Wählerisch ist Chávez dabei nicht. Ein Feind der USA scheint ihm automatisch als Freund willkommen – ob Weißrusslands Autokrat Lukaschenko oder Irans Israel-Hasser Ahmadinedschad. Chávez verfährt in seiner Außenpolitik bis auf wenige Ausnahmen in Lateinamerika so, wie es die USA gelehrt haben: Es gibt keine Freunde, sondern nur Interessen. Schließlich sind die USA nach wie vor der mit weitem Abstand größte Handelspartner Venezuelas. Handfeste Interessenpolitik eben.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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