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Johnny Norden 28.11.2009 /
Bücher zum Verschenken 2009

Die Spur des Condors

Contreras mörderischer Pakt

Wie sich die Bilder gleichen. Wie die USA Dschihadkämpfer in der arabischen Welt mit Waffen ausrüsteten und dann die Kontrolle über jene verloren haben, so hatten sie vor über 30 Jahren mit der Operation Condor ein internationales Terrornetzwerk unterstützt, das ihr selbst zum Schaden gereichen sollte. In den 70er Jahren hatten sich die Geheimdienste mehrerer lateinamerikanischer Staaten (Chile, Argentinien, Brasilien, Peru, Bolivien, Paraguay und Uruguay) verbündet. Es war die Blütezeit faschistischer Militärdiktaturen in Südamerika. Jetzt gibt es erstmalig in deutscher Sprache ein Buch über dieses düstere Kapitel.

Klaus Eichner, ehemals Analytiker in der Spionageabwehr des MfS der DDR, legt Ergebnisse seiner Recherchen vor. Es sind vor allem Dokumente aus den USA, die seiner Untersuchung zu Grunde liegen: Materialien der CIA, des US-Außenministeriums, des Weißen Hauses und die umfangreiche Publikation des nordamerikanischen Journalisten John Dinges.

Schlüsselfigur der Operation Condor war der damalige chilenische Geheimdienstchef Manuel Contreras. Er hatte sich im Putsch von 1973 durch besondere Grausamkeit ausgezeichnet, galt als durchsetzungsfähig, mit einem Hang zum Größenwahn. 1975 hob er auf einem Treffen mit seinen lateinamerikanischen Partnern in der chilenischen Hauptstadt Santiago die Operation Condor aus der Taufe. Ihm schwebte eine Art Interpol der Militärdiktaturen vor. So begann mit hohem Aufwand eine gemeinsame Jagd auf Widerstandskämpfer, linke Politiker, Priester, Gewerkschafter. Diese wurden in der Regel ohne gerichtliche Grundlage verschleppt und fast immer ermordet. Eichner dokumentiert viele dieser Fälle. Vorerst in Lateinamerika. Nach dem bisherigen Stand der Untersuchungen fielen mindestens 200 Personen der Operation Condor zum Opfer.

Die USA waren zwar nicht Initiator oder Träger der Operation Condor. Eichner kann aber beweisen, wie interessiert und tatkräftig die US-Administrationen den Kreuzzug gegen Linke unterstützten. Die von ihm ausgewerteten Geheimdienstdokumente legen den Schluss nahe, dass FBI und CIA die Operation Condor logistisch und technisch ausrüsteten und großzügig die Ausbildung übernahmen. Laut einem internen CIA-Untersuchungsbericht unterhielten US-Behörden 1974 bis 1977 enge Kontakte zu Contreras und finanzierten ihn fürstlich.

Als die Operation Condor jedoch begann, auch auf US-amerikanischem Territorium zu morden, erkannten die Regierenden in Washington, welche Natter sie an ihrer Brust genährt hatten. 1976 tötete im Zentrum der US-amerikanischen Hauptstadt eine Autobombe den ehemaligen Minister der Allende-Regierung Orlando Letelier. Mit ihm starb sein amerikanischer Mitarbeiter Ronni Moffit. Das US-Justizministerium forderte nun die Auslieferung von Contreras, um ihm den Prozess zu machen. Pinochet, der diese Aktion zumindest gebilligt hatte, reagierte nicht. Leider erwähnt Eichner nicht, dass Contreras die schützende Hand seines Diktators gar nicht nötig hatte. Dreist erpresste er die USA mit der Drohung, die Welt über seine Beziehung zur CIA zu informieren. Immerhin: Nachdem bekannt wurde, dass Operation Condor auch die Ermordung des US-amerikanischen Abgeordneten Edward Koch (dem späteren Bürgermeister von New York) wegen seiner Kritik an den Menschenrechtsverletzungen in Chile geplant hatte, sah Pinochet sich gezwungen, seinen Geheimdienstchef zu entlassen. Damit verlor die Organisation ihren Kopf und ihre treibende Kraft.

Die – laut Eichner – letzte Aktion der Operation Condor erfolgte 1980. Im Juli wurde in Madrid die Leiche von Noemi Gianotti aufgefunden, der argentinischen Gründerin der Bewegung »Mütter der Plaza de Mayo«, einer Bewegung zur Selbsthilfe und Unterstützung von Frauen, deren Söhne und Töchter unter den Militärdiktaturen verschleppt worden waren. Die Untersuchung ergab, dass Gianotti zunächst schwer gefoltert worden war, bevor man sie mit einem Kopfschuss regelrecht hingerichtet hatte.

Eichner bietet neben den Enthüllungen über die Operation Condor Einblicke in über 50 Jahre lateinamerikanischer Geschichte.

Klaus Eichner: Operation Condor – eine Internationale des Terrors. Verlag Wiljo Heinen, Berlin. 318 S,, br., 12 €.

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