Badur-Werke in der Hamish Morrison Galerie
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Linie ist Rhythmus. Und der Maler und Zeichner Frank Badur ist Schöpfer einer reinen, puren, nicht auf die Abbildung der Welt zielenden Kunst. Wie aufregend Kompositionen aus Linien und horizontalen Farbflächen sein können, zeigen derzeit zwei Ausstellungen des in Oranienburg geborenen und an der UdK lehrenden Künstlers in der Hamish Morrison Galerie und bei Fruehsorge Contemporary Drawings. Die befinden sich beide auf dem früheren Industrieareal in der Heidestraße im Schatten von Hauptbahnhof und Hamburger Bahnhof.
Während die Akteure des internationalen Kunstmarktes seit den späten 80er Jahren immer stärker zur realistischen, neorealistischen, foto- und hyperrealistischen sowie neoromantischen Malerei hingedriftet sind, hielt Badur den abstrakten Farbexperimenten der Moderne die Treue. Anders als etwa Josef Albers und Piet Mondrian, die vorwiegend mit monochromen Rechtecken operierten, unterzieht sich Badur einer weiteren Reduktion: Er arbeitet fast ausschließlich mit Linien. In seinen zuletzt in einer Vielfalt von Rottönen gehaltenen Gemälden verdicken sich diese Linien zuweilen zu lang gezogenen Farbflächen. Doch immer bleibt dabei die horizontale Schichtung erhalten.
Höhepunkte von Abstraktion und Verdichtung sind Badurs Zeichnungen. Wie sich auf Bütten- und Chinapapier einfache Linien und miniaturisierte Raster zu dynamischen Gebilden formieren, ist einfach fabelhaft. So simpel diese Sequenzen auch sein mögen – eine Linie lagert über der nächsten – so variabel ist dennoch das Endprodukt. Keine Kombination wiederholt sich.
Badur beherrscht virtuos das Verhältnis von Proportion, Maß und Tönung. Die Dicke, Intensität und Farbigkeit der übereinander gelegten Linien entlockt dem Papier einen pulsierenden Rhythmus. Von fern erinnern manche Arbeiten an einen aufrecht gestellten Strichcode, mit dem heutzutage alle Waren ausgepreist sind. Doch während diese von der Maschine produzierten Datenstreifen lediglich Algorithmen folgen und daher seelenlos bleiben, spielen Badurs Linienfolgen mit den harmonischen Prinzipien der Tonkunst und halten sie bildlich fest.
Herzstück der Ausstellung der Zeichnungen ist Badurs Auseinandersetzung mit einem im Raum arbeitenden abstrakten Künstler. Die 24-teilige Serie »Reflections on the Eisenman Grid« bezieht sich auf das von Peter Eisenman geschaffene Stelenfeld des Holocaustmahnmals in Berlin.
Frank Badur, Colour Recall, Hamish Morrison Galerie, Why Pattern?, Fruehsorge Contemporary Drawings, Heidestr. 46-52, bis 8.1., Di.-Sa. 11- 18 Uhr.
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