Es hätte so schön werden können: Drei Oppositionsparteien, die gemeinsam eine Normenkontrollklage vor dem Bundesverfassungsgericht anstrengen. Auf diese Weise hätte man die fragwürdige Zusammenstellung des ZDF-Verwaltungsrates und dessen Entscheidung in Sachen Brender noch einmal höchstrichterlich prüfen lassen können. Nebenbei eine gute Gelegenheit, die CDU mal so richtig vorzuführen. Doch die SPD verweigert sich dem rot-rot-grünen Zweckbündnis.
Das mag mehrere Gründe haben. Zum einen sitzen auch zwei SPD-Ministerpräsidenten im Verwaltungsrat. Wenn Karlsruhe hier also einen Verstoß gegen Grundgesetzartikel 5 erkennen würde, dann verlören auch die Sozialdemokraten an Einfluss. Zumal die Genossen nicht wirklich an Brenders Weiterbeschäftigung interessiert sein dürften. Denn mit seinem Namen verbindet sich auch eine der schmachvollsten Demütigungen für die SPD. Am Wahlabend 2005 saß der streitbare Journalist einem SPD-Kanzler gegenüber, der seine Niederlage nicht wahrhaben wollte. Als der Unterlegene dann auch noch ausfällig wurde, nahm sich Brender ein Herz und maßregelte den Uneinsichtigen vor einem Millionenpublikum. Doch Brenders schwerste Hypothek ist seine politische Neutralität. Er ist weder links noch rechts und somit unberechenbar, auch für die SPD. In einer nach Parteienproporz gegliederten Rundfunk- und Fernsehlandschaft ist kein Platz für einen Exoten wie Brender. Da mögen ihm führende Sozialdemokraten öffentlich Krokodilstränen nachweinen. Doch dass sich die Genossen weigern, die Normenkontrollklage zu unterstützen, zeigt, dass ihnen Brenders Demission ganz gut in den Kram passt.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
Fall Brender: SPD will nicht in Karlsruhe klagen Sozialdemokraten stellen sich gegen Grüne und LINKE
Pyrrhussieg für Roland Koch Geschasster ZDF-Chefredakteur Brender: Gute Chancen bei Klage
Streit im ZDF spitzt sich zu Wird der Vertrag von Chefredakteur Nikolaus Brender verlängert?
Preis: 75,00 €
Preis: 12,95 €
Werbung:
Werbung: