Von Mark Wolter
04.12.2009
Kommentiert

Gewalt ohne Ticket

Die Politik geht zum Angriff über und will die Gewalt bei Fußballspielen ins Abseits drängen. Die Taktik gaben die Innenminister von Bund und Ländern gestern bei ihrer Konferenz in Bremen vor: eine Identitätskontrolle beim Kauf von Eintrittskarten. Dieses System habe schon vor drei Jahren bei der Fußball-WM im eigenen Land Störenfriede und Ärger erfolgreich von den Stadien ferngehalten.

Ja, die WM war ein Erfolg. Das Sicherheitssystem mit personalisierten Tickets war aber keiner. Dass der ins Stadion pilgernde Karteninhaber auch der auf dem integrierten Chip gespeicherte Käufer war, wurde damals an den Eingängen kaum kontrolliert und ließe sich auch künftig selbst mit größtem Verwaltungsaufwand nur schwer überwachen.

Gewaltbereite Fußballanhänger lassen sich auf diese Weise genauso wenig von den Stadien fernhalten wie mit der einfachen Maßnahme, bei Problempartien gar keine Karten an Gästefans mehr zu verkaufen. Krawalle und Ausschreitungen haben sich längst auf die Straße verlagert. Hooligans verschiedener Lager verabreden sich vor oder nach dem Spiel, um sich gegenseitig zu attackieren – oder gemeinsam die Polizei. Die Gewalt rund um den Fußball braucht schon lange keine Eintrittskarte mehr. Und auch kein Stadion als Austragungsort.

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