Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Schnellsuche

Erweiterte Suche

Von Ulrike Henning 07.12.2009 / Wirtschaft

Docstop für Gesundheit der Fernfahrer

15. Kongress »Armut und Gesundheit« thematisiert Situation von sozial Benachteiligten

Der 15. bundesweite Kongress »Armut und Gesundheit« behandelte in der vergangenen Woche in Berlin Defizite in der Versorgung von soziale Benachteiligten, ethische Fragen sowie Möglichkeiten der Selbsthilfe.
Beratungsgespräch auf der Zeitarbeitsmesse in Erfurt. Den L
Beratungsgespräch auf der Zeitarbeitsmesse in Erfurt. Den Leitspruch der Branche oben im Bild dürften Beschäftige als Hohn empfinden.

Fernfahrer und Altenpflegerinnen gehören nicht zu den Berufsgruppen mit der größten gesellschaftlichen Anerkennung. Das zeigt sich in niedrigen Löhnen, aber auch in Schichtarbeit und kräftezehrenden Arbeitsbedingungen. Ähnlich geht es allen, die im Auftrag von Zeitarbeitsfirmen in deutschen Unternehmen schuften. Was in diesen Bereichen für die Gesundheit der Betroffenen getan werden kann, fragte ein Forum zu prekärer Arbeit im Rahmen des Berliner Kongresses.

Monika Schedlinski stellte ein Projekt der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) zur Verbesserung der Situation in Pflegeheimen vor. Angesichts abnehmender Zahlen sowohl der Erwerbstätigen als auch der Fachkräfte in diesem Bereich in den nächsten 20 Jahren ist die Gesundheit der Beschäftigten ein besonders hohes Gut. In der Praxis aber würden die Pflegekräfte von den Ansprüchen ihrer Arbeitgeber sowie denen der Bedürftigen oft zerrissen. Davon künden zunehmende Krankschreibungen und längere Ausfallzeiten – die wiederum die übrigen Kolleginnen noch zusätzlich belasten. Eine Studie ergab, dass 40 Prozent der Beschäftigten drei- bis fünfmal pro Woche körperlich erschöpft sind sowie eine hohe Unsicherheit darüber, wie lange sie diesen Beruf noch ausüben könnten. Abhilfe könnten schon einfache organisatorische Veränderungen schaffen. Das fängt damit an, zu Stoßzeiten die Nutzung der Fahrstühle in größeren Heimen besser zu regeln, und geht bis zur Abschaffung von zusätzlichen Stressfaktoren wie der Festlegung, dass alle Heimbewohner zu einer bestimmten Zeit am Frühstückstisch zu sitzen hätten. Eine Entzerrung von Arbeitsabläufen sei auch zu erreichen, wenn alle Mitarbeiterinnen aktiv in Veränderungen einbezogen werden.

Obwohl im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz alles geregelt scheint, kommen Leiharbeitskräfte in Fragen des Gesundheitsschutzes oft zu kurz. Beweise liefern aktuelle Statistiken zum Unfallgeschehen in Deutschland. In Thüringen treten zum Beispiel eindeutig mehr schwere und tödliche Arbeitsunfälle in Leiharbeitsverhältnissen auf. Wissenschaftler von der Universität Jena untersuchten nun, wie die betreffenden Mitarbeiter besser geschützt werden könnten. Gefährdungsbeurteilungen und Unterweisungen, die hier oft unterbleiben, sollten einerseits bei überbetrieblichen Kontrollen häufiger eingefordert werden. Intern sei eine gute Praxis oft nur durch starke Personal- oder Betriebsräte zu erreichen, so der Soziologe Thomas Engel. Obwohl sich in wirtschaftlichen Krisenzeiten neben der Normal- und Leiharbeit sogar ein dritter Bereich von »Stammleasingkräften« herausgebildet habe, blieben die Belange dieser Beschäftigten sonst weiter ausgeblendet.

In der Öffentlichkeit viel deutlicher wahrzunehmen sind die Folgen unzureichender Gesundheitsfürsorge bei Fernfahrern. Bei den fahrerbezogenen Unfallursachen weisen 46 Prozent Fehleinschätzungen von Witterung und anderen Faktoren und 38 Prozent Wahrnehmungsstörungen bis zum Einschlafen am Steuer auf gesundheitliche Probleme hin. Aus diesem Grund wurde 2007 die medizinische »Unterwegsversorgung« für LKW-Fahrer ins Leben gerufen. Inzwischen gibt es bundesweit bereits über 250 Anlaufstellen, an denen autobahnnahe medizinische Hilfeleistungen angefordert werden können. Dieses »DocStop« genannte System soll verhindern, dass sich Fahrer etwa bei Zahnproblemen nur immer wieder mit Schmerztabletten betäuben und trotzdem weiterfahren. Angesprochen sind alle Trucker und Buslenker mit europäischer Gesundheitskarte.


Belastete Branche

Zeitarbeiter sind durch ein unangemessen niedriges Einkommen und einen unsicheren Arbeitsplatz belastet. Sie leiden unter der geringen Wahrscheinlichkeit, in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden sowie unter fehlenden Kontakten zu Kollegen. Hinzu kommt die Ungewissheit über Einsatzort und -dauer. Eine Studie der Techniker Krankenkasse stellte bei Leiharbeitern 60 Prozent mehr Muskel-Skelett-Erkrankungen und 64 Prozent mehr Verletzungen fest.
uhe

www.docstoponline.eu

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Präsidentenwahlen in den USA

Am 3. Januar 2012 beginnen die US-Republikaner die Vorwahlen. In einem fünfmonatigen Wahlmarathon suchen sie einen Präsidentschaftskandidaten und Herausforderer von Präsident Barack Obama. Die Präsidentschaftswahlen finden am 6. November 2012 statt.

Alle Dossiers

Facebook
Twitter
Sie sind gefragt

Velothon 2012

nd stellt eine Mannschaft zusammen
nd-ePaper

Wichtige Infos zum nd-ePaper

Hier finden Sie alles zu den Änderungen an »Mein nd« und dem ePaper
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.