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Von Anna Maldini, Rom 07.12.2009 / Titel

Blogger gegen Berlusconi

Hunderttausende Italiener fordern nach Internet-Kampagne Rücktritt des Ministerpräsidenten

Hunderttausende, wahrscheinlich sogar mehr als eine Millionen Menschen haben am Wochenende in Rom gegen Silvio Berlusconi und seine rechte Regierungspolitik demonstriert. Es war der erste öffentliche Auftritt der so genannten »lila Revolution«.
Silvio Berlusconis Gesicht war bei der Demonstration in Rom zahl
Silvio Berlusconis Gesicht war bei der Demonstration in Rom zahlreich vertreten, doch immer trug es ein deutliches »No«.

Die Farbe Lila hatten die Initiatoren gewählt, weil sie sich keiner bestimmten Partei zuordnen lässt. Denn eines wollten die Organisatoren der Großdemonstration in Rom auf keinen Fall: von irgendeiner politischen Gruppierung in Beschlag genommen oder ausgenutzt werden, auch wenn neben dem Lila die roten Fahnen der verschiedenen linken, nicht im Parlament vertretenen Gruppen am zahlreichsten waren.

So durften bei der abschließenden Kundgebung auch keine Politiker sprechen, sondern allein Vertreter von Bürgerbewegungen und Intellektuelle wie Literaturnobelpreisträger Dario Fo oder der Schriftsteller Moni Ovadia. Diese »lila Revolution« wurde von Bloggern in Facebook und anderen Internetforen ausgelöst, und sie wurde immer größer und breiter.

Entsprechend bunt, vielseitig und manchmal auch widersprüchlich waren Schwerpunkte und Forderungen der Demonstranten, die stundenlang durch die römische Innenstadt zogen und die unterschiedlichsten und zum Teil äußerst fantasievolle Transparente mit sich trugen. Eine Gruppe protestierte in erster Linie gegen den geplanten Bau der Brücke von Kalabrien nach Sizilien, eine andere gegen die Schulreform. Die einen stellten in den Mittelpunkt, dass Berlusconi permanent die italienische Verfassung mit Füßen tritt, die anderen kritisierten das rückständige Frauenbild, das er vertritt. Eine Obdachlose aus dem Erdbebengebiet von L'Aquila prangerte an, wie Berlusconi dort regelrechte potjomkinsche Dörfer errichtet hat, die er den Medien und den Staats- und Regierungschefs während des G8-Gipfels im vergangenen Sommer als großen Wiederaufbau präsentierte, während den Bedürfnissen der betroffenen Bevölkerung kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Salvatore Borsellino, Bruder des von der Mafia ermordeten Richters Paolo, erklärte, es sei eine Schande, dass in Italiens gegenwärtiger Regierung Männer sitzen, deren Beziehungen zur Mafia zumindest nicht geklärt wurden. Ein Arbeiter fragte sich, warum die Kirche, warum der Papst der rassistischen italienischen Regierung die Stange hält … Sie alle einte eine Forderung: die nach dem Rücktritt Silvio Berlusconis.

Auch einige Kabarettisten sprachen, den größten Lacher aber erntete die Polizei: Die hatte verlauten lassen, dass am »No Berlusconi Day« 90 000 Menschen teilgenommen hätten. Man brauchte sich nur auf der überfüllten Piazza San Giovanni umzusehen, um zu erkennen, dass es wohl zehn Mal so viel waren. Auch in Berlin, Paris, London, Helsinki, New York, Sydney, Rabat und anderen Städten gingen zahlreiche Menschen gegen Berlusconi auf die Straße.

»Dies ist ein historischer Tag«, erklärte Dario Fo. »So viele Menschen, die sich nicht kennen, haben beschlossen, sich auszutauschen, um diese Welt zu verändern.« Und Moni Ovadia: »Wir sind keine Untertanen, sondern Bürger. Wir wollen, dass die Interessen des Landes vertreten werden, nicht die eines einzigen Mannes.«

Die Demonstration endete mit einem Konzert. Zuvor aber forderte einer der Organisatoren: »Wir dürfen uns nicht aus den Augen verlieren! Dies ist nur ein Anfang. Hängt zu Hause lila Fahnen an eure Fenster. Dann werden alle verstehen, dass dieses lila Volk heute geboren wurde, aber noch viel von sich reden machen wird.«

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