Von Georg Ackermann, Singapur
09.12.2009
Weltklimagipfel

China will mehr Wind machen

Größter CO2-Emittent setzt auf Erneuerbare

China hat bereits im vergangenen Jahr die USA als weltgrößten Produzenten von Treibhausgasen abgelöst. Nun will die Führung stärker auf erneuerbare Energiequellen setzen – auch aus geschäftlichen Gründen.

Pünktlich zum Beginn des Weltklimagipfels legte China eine Schippe drauf. Han Wenke, Leiter der Energieabteilung der Entwicklungs- und Reformkommission, präsentierte am Wochenende eine »Roadmap«, die das Land zu einem Vorreiter im Bereich erneuerbarer Energien machen könnte. »Bis 2050 soll mehr als ein Drittel der Primärenergie aus erneuerbaren Energieformen kommen«, sagte Han gegenüber der regierungsnahen »China Daily«. Dies stehe im Einklang mit dem Ziel, die Struktur des Energieverbrauchs »fundamental zu verändern«.

Ein dreistufiger Plan liegt der Idee zugrunde. Bis 2020 sollen 15 Prozent des Stroms umweltverträglich hergestellt werden. 2030 sollen es 20 Prozent sein, 2050 dann rund ein Drittel. Bereits in der ersten Phase würden dadurch 600 Millionen Tonnen Kohle eingespart werden. Der fossile Energieträger trägt in China noch immer 70 Prozent zum Energiemix bei. Im Schnitt wird alle zehn Tage ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb genommen. Nicht zuletzt dadurch ist China inzwischen der weltweit größte CO2-Emittent.

Ein wachsender internationaler Druck und das zunehmende Bewusstsein der Bevölkerung, dass Wohlstand nicht mit schmutziger Luft vereinbar ist, hat die chinesische Regierung zum Einlenken gebracht. Wind- und Solarenergie profitierten deutlich vom rund 400 Milliarden Euro schweren Konjunkturprogramm. Dies hilft, die Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas zu reduzieren und schafft Arbeitsplätze in Unternehmen einer international boomenden Branche.

»China wird zukünftig bei der Entwicklung der Windenergie dominieren«, sagt Lars Andersen, China-Chef des dänischen Weltmarktführers Vestas. Das Reich der Mitte ist derzeit der Wachstumsmarkt Nummer eins, noch vor den USA. Beherrschten bis vor Kurzem noch die großen internationalen Spieler Vestas, General Electric und Gamesa die Szene, so drängen längst einheimische Unternehmen nach vorne. Das einfache Rezept hat sich schon bei Solaranlagenherstellern bewährt: »Die Technologie mag zwar noch etwas hinterherhinken, doch sind die Preise bis zu 50 Prozent geringer«, schreibt die »South China Morning Post«.

Dazu kommen ein günstiges regulatorisches Umfeld und eine großzügige Kapitalausstattung durch lokale Investoren. Die China Longyuan Power Group sammelte bei ihrem Börsengang am Freitag in Hongkong 1,5 Milliarden Euro ein. »Wir sind derzeit die Nummer fünf der globalen Windparkbetreiber«, sagt Longyuans Präsident Xie Changjun. »Unser nächstes Ziel ist Platz drei.«

Kürzlich landete die Shenyang Power Group einen großen Coup: Sie darf einen 600-Megawatt-Windpark in Texas ausstatten. Entscheidend für den Zuschlag war vor allem die Finanzierung durch die staatliche Exim Bank of China.

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