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Von Franziska Porst 11.12.2009 / Europa

Das Europaparlament nach Berlin geholt

Deutsche Schüler lernten spielerisch das Funktionieren der EU

Auf Einladung der Jungen Europäischen Bewegung Berlin-Brandenburg e.V. simulierten dieser Tage 200 Schüler im Reichstag und im Berliner Abgeordnetenhaus das Europäische Parlament.
Das »Europaparlament« in Berlin
Das »Europaparlament« in Berlin

Montagnachmittag im Berliner Abgeordnetenhaus. Nach zwei Tagen intensiver Beratungen und Verhandlungen in Ländergruppen, Fraktionssitzungen und Ausschussrunden tritt das Europäische Parlament zur abschließenden Plenardebatte zusammen. Auf der Tagesordnung steht neben Gesetzestexten zur Klimapolitik und zur Migrationspolitik zunächst eine Empfehlung zur Zukunft Europas. Der polnische Fraktionsvorsitzende der Europäischen Konservativen und Reformisten (ECR) eröffnet die Aussprache und beantragt eine Trauerminute anlässlich des Inkrafttretens des Vertrages von Lissabon, der die EU in eine völlig falsche Richtung führe. Geschlossene Ablehnung durch alle anderen Fraktionen.

Ein leidenschaftlicher Schlagabtausch über die Zukunft Europas folgt: Wie viele Mitglieder sollte die Europäische Kommission haben, um handlungsfähig zu bleiben? Sollte der Türkei der Beitritt ermöglicht werden? Soll sich die EU zu einem Bundesstaat entwickeln oder ein Europa der Nationen sein?

Wäre der Versammlungsort nicht das Abgeordnetenhaus, wären die Abgeordneten nicht auffallend jung, hätten sie nicht ihre Alltagskleidung an, sprächen sie nicht alle Deutsch – der unbeteiligte Zuhörer fühlte sich augenblicklich in den Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg versetzt. Tatsächlich handelt es sich bei den Abgeordneten um rund 200 Schülerinnen und Schüler aus Berlin, Brandenburg und Hessen, die an der Simulation Europäisches Parlament (SIMEP) teilnehmen. Organisiert vom überparteilichen Jugendverband Junge Europäische Bewegung Berlin-Brandenburg e.V. (JEB) fand die Veranstaltung dieses Jahr zum elften Mal im Reichstag und im Abgeordnetenhaus statt. Aufgrund der großen Nachfrage bot die JEB erstmals zwei Termine an: Am 22./23. November konnten einzelne Schüler und am vergangenen Sonntag und Montag ganze Schulklassen in die Rolle von Europaabgeordneten schlüpfen.

Das Bildungsziel der SIMEP, den Jugendlichen spielerisch die Bedeutung und das Funktionieren der EU zu vermitteln und eine Einführung in aktuelle Kernthemen ihrer Politik zu geben, kommt auch bei der »echten« Politik gut an. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass der Präsident des Abgeordnetenhauses Walter Momper jedes Jahr die Schirmherrschaft übernimmt und das Projekt durch das Bundespresseamt, den Berliner Bildungssenator Zöllner und den Brandenburgischen Bildungsminister Rupprecht unterstützt wird. Außerdem wenden sich traditionell zahlreiche Abgeordnete des Abgeordnetenhauses, des Bundestages und des Europäischen Parlaments an die Jungparlamentarier; dieses Jahr neben dem Präsidenten des Europäischen Parlaments Jerzy Buzek u.a. Angelica Schwall-Düren und Peter Altmaier.

Neben dem Bildungseffekt kommt aber offensichtlich auch der Spaß für die Schüler nicht zu kurz, die in zwei intensiven Tagen des Argumentierens, Verhandelns und Überzeugens gut in ihre Rollen gefunden haben. Dass viele der jungen Abgeordneten im wirklichen Leben einer ganz anderen politischen Richtung anhängen als derjenigen, die sie gerade so leidenschaftlich vertreten, scheint dem Vergnügen keinen Abbruch zu tun. Im Gegenteil: Am Ende der fünfstündigen Plenardebatte machen die Fraktionsvorsitzenden in ihren Abschlussreden deutlich, dass ihnen die SIMEP unterhaltsam neue Einblicke in bisher unbekannte Politikfelder vermittelt hat – und dass man sich im nächsten Jahr wiedersieht.

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