Wird's noch mal so schön? Eine von vielen Blockaden gegen den »Antiislamisierungskongress« von Pro Köln am 20. September 2008
Foto: dpa
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Ausgelöst von der Schweizer Volksabstimmung zum Bau von Minaretten kommt es aktuell auch in der Bundesrepublik zu Diskussionen über die Rechte von Muslimen. Vor allem neofaschistische und rechtsextreme Gruppen verspüren anlässlich des Neins der Schweizer Bevölkerung zum Bau weiterer Minarette Oberwasser und planen bereits antiislamische Kampagnen und Proteste.
So kündigt die selbst ernannte nordrhein-westfälische »Bürgerbewegung pro NRW« im Internet an, erneut gegen »Islamisierung« und »für ein europaweites Minarettverbot« auf die Straße gehen zu wollen. Gemeinsam mit anderen europäischen Rechtspopulisten will die rechtspopulistische Gruppierung im Frühjahr 2010 eine Konferenz im Ruhegebiet veranstalten, in dessen Rahmen sie zudem einen Sternmarsch gegen eine im Duisburger Stadtteil Marxloh gelegene Moschee durchführen will. Dieser soll in den umliegenden Ruhrgebietsstädten starten.
»pro NRW« hatte bereits im September 2008 bundesweit für Aufsehen gesorgt. Damals mobilisierten die Rechten ihre Anhängerschaft zu einem sogenannten Antiislamisierungskongress nach Köln, der jedoch aufgrund mannigfaltiger Proteste von antifaschistischen und zivilgesellschaftlichen Gruppen erfolgreich verhindert werden konnte. Nahezu die gesamte Kölner Altstadt war damals von mehreren tausend Menschen blockiert. Auch eine Neuauflage der rassistischen Konferenz am 9. Mai dieses Jahres wurde von massiven antifaschistischen Protesten begleitet.
Dass die Rechten ausgerechnet gegen die Moschee in Duisburg-Marxloh aufmarschieren wollen, ist indes kein Zufall. In der Vergangenheit hatten sie oftmals ausgerechnet dort Auseinandersetzungen provoziert, wo Muslime gesellschaftlich vollkommen integriert sind und es zu keinerlei Problemen in Sachen Integration kommt.
Offenbar hegt »pro NRW« Hoffnungen, mittels einer neuen antimuslimischen Kampagne den Sprung in den nordrhein-westfälischen Landtag zu meistern, der am 9. Mai 2010 gewählt wird. Bereits aktuell versuchen die rechten Funktionäre, sich als Kenner der dortigen Landespolitik zu inszenieren. »Das Ruhrgebiet erlebt einen dramatischen demografischen und kulturellen Wandel. In manch einem Stadtteil fühlt man sich als Bürger ohne Migrationshintergrund regelrecht verlassen«, so der pro-NRW-Vorsitzende Markus Beisicht, der zudem ein »immer selbstbewussteres Auftreten der islamischen Bevölkerungsgruppe« herbeifabuliert, das sich »nach außen hin durch protzige Großmoscheebauten, riesige Minarette und Muezzinruf« darstelle.
Dass die neuerlichen rassistischen Aktionen der Rechten tatsächlich von Erfolg gekrönt werden, darf indes bezweifelt werden. So formiert sich im Ruhrgebiet bereits jetzt antifaschistischer Widerstand gegen den angekündigten antimuslimischen Sternmarsch. »Wir werden alles in unser Macht Stehende tun, um einen rassistischen Aufmarsch politisch zu verhindern«, so Henning von Stolzenberg, Sprecher des Duisbuger »Netzwerkes gegen Rechts« auf ND-Anfrage.
Schwierigkeiten dürfte den Volksverhetzern zudem bereiten, dass es ihnen mittlerweile kaum mehr gelingt, sich in der Öffentlichkeit ein bürgerliches Antlitz zu verpassen. Berichteten die Medien doch bereits häufiger über die politische Vergangenheit einiger führender »pro«-Funktionäre. So waren Manfred Rouhs, früherer rechtsextremer Multifunktionär und aktuell stellvertretender Fraktionsvorsitzender von »pro Köln«, sowie der heutige »pro NRW«- Landesvorsitzende Markus Beisicht, früher in der »Deutschen Liga für Volk und Heimat« aktiv. Judith Wolter, Fraktionschefin von »pro Köln«, hielt noch 2002 ein Grußwort auf dem Bundeskongress der NPD-Jugendorganisation »Junge Nationaldemokraten« (JN).
Die Ankündigung eines in den umliegenden Städten startenden Sternmarsches Richtung Duisburg dürfte indes allemal dem Reich der Träume mancher »pro-Funktionäre« entsprungen sein.
Sobald Muslime als Muslime erkennbar in der Öffentlichkeit agieren, werden Stimmen laut, die vor Parallelgesellschaften und Überfremdung oder gescheiterter Integration warnen. Wie soll so eine Integration wohl aussehen? Dass Muslime nicht mehr als Muslime in Erscheinung treten? Warum können so viele Leute in Deutschland nicht einfach ertragen, dass die Welt ein bisschen vielfältiger ist, als sie es sich vielleicht vorstellen können?
Ich komme zufällig aus Duisburg, darum traue ich mir zu, dazu was sagen zu können. Im Ruhrpott gab es immer viele Gastarbeiter. Heinz und Ali haben zusammen bei Krupp und Thyssen gearbeitet oder sind untertrage gefahren. Solange Heinz der Vorarbeiter war, hatte er auch keine großen Probleme mit Ali - man wohnte ja auch nicht unbedingt in der gleichen Straße. Seit Heinz und Ali aber gemeinsam arbeitslos sind, mag Heinz den Ali nicht mehr leiden.
Der Niedergang ganzer Stadtteile schreitet erkennbar voran: Wichtige Infrastruktur wie der Einzelhandel verschwwindet, die Kaufkraft der Menschen sinkt und eine gewisse Perspektivlosigkeit macht sich breit. Wer ist schuld an diesen sichtbaren Veränderungen?
In so einer Atmo fallen Türken wieder stärker auf.
Es stimmt: Es gibt Gegenden in Duisurg, in denen wohnen viele türkische Leute. Schon die erste Generation türkischer Gastarbeiter ist ja nicht mit offenen Armen im kulturellen und sozialen Leben empfangen worden. Man war vielleicht auch ganz froh, dass die sich in den billigen und nicht so abgesagten Ecken sammelten. Eine vielfältige und offene Gesellsschaft sieht tatsächlich anders aus. Die Verantwortung dafür tragen aber bestimmt nicht die Familien, die vor 30 oder 40 Jahren als Gastarbeiter gekommen sind. Gesellschaft ist eine Gmeinschaftsleistung. Partizipation ist der Schlüssel und dafür braucht man Anerkennung, Repräsentation und Sprechen auf Augenhöhe. Und das heisst: Muslime haben ein Recht auf eine Moschee.
So sehr man vor Neonazitum und Rassismus warnen muss, so sehr muss man aber auch gesellschaftliche Parallelgesellschaften ansprechen.
Wie der Autor Markus Bernhardt die Zustände in Duisburg-Marxloh anspricht, ist nicht nur falsch sondern schlichtweg völlig erlogen. Wie man allen Ernstes bei diesem Stadtteil von "gelungener Integration" sprechen kann, wenn sich Nacht für Nacht Jugendbanden (und ja, man muss es leider sagen: fast ausnahmlos mit Migrationshintergrund) zusammenrotten und die Polizei - nach Selbstangabe - zum Teil mit der Gewalt völlig überfordert ist, bleibt ein Rätsel.
Es ist traurig, dass alle Parteien diese Zustände verschweigen und somit dieses Thema den Rechten überlässt. Und das ND stößt freudig ins gleiche Horn, anstatt die Problematik ernsthaft anzusprechen.
Landtag ohne Pastörs Schweriner NPD-Politiker muss draußen bleiben
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