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Von Bernd Kammer 15.12.2009 / Berlin / Brandenburg

»Mehr Wohnung fürs Geld«

Studie weist für Berliner niedrige Mietbelastung aus / Mieterverein: »Schönfärberei«

Endlich mal ein Städteranking, bei dem Berlin froh sein kann über einen hinteren Platz. Wohnungen werden hier bei Neuvermietung für durchschnittlich 5,61 Euro pro Quadratmeter netto/kalt angeboten, womit Berlin unter den 118 kreisfreien Städten Deutschlands auf Platz 55 liegt. Damit ist die Durchschnittswohnung hier nicht mal halb so teuer wie in München (11,61 Euro) und nur 1,71 Euro teurer als in Hoyerswerda, das den vorletzten Platz in dieser Liste belegt. Herausgefunden hat dies die Bonner Firma Quaestio Forschung & Beratung im Auftrag der Investitionsbank Berlin (IBB), die damit den Wohnungsmarkt als Standortvorteil der Stadt preisen wollte.

»In Berlin bekommt man mehr Wohnung für sein Geld«, bestätigte Quaestio-Chef Bernhard Faller. Die Berliner könnten beim Wohnen sparen, ohne auf Wohnqualität verzichten zu müssen. Ein Einpersonenhaushalt mit einem Durchschnittseinkommen von 15 342 Euro im Jahr hat hier in einer 55 Quadratmeter großen Wohnung eine Mietbelastung von etwa 24 Prozent seines Einkommens, in München und Frankfurt am Main von 34 bzw. 37 Prozent, allerdings bei wesentlich höheren Einkommen.

Während die billigsten zehn Prozent der 45 bis 75 Quadratmeter großen Wohnungen in Berlin für unter vier Euro pro Quadratmeter zu haben waren, mussten in München für eine solche »Billig-Wohnung« schon bis zu neun Euro ausgegeben werden. 30 Prozent der Wohnungen dieser Größenordnung kosten in Berlin weniger als fünf Euro, in München sind nur 30 Prozent günstiger als 10,15 Euro. Ein Berliner Haushalt, der 600 Euro für eine Wohnung ausgeben will, kann eine 80 Quadratmeter große Wohnung der höchsten Qualität anmieten, in München würde es nur für eine 65 Quadratmeter große Wohnung der untersten Angebotskategorie reichen.

»In Berlin ist die gesamte Bandbreite der Wohnungen für alle Haushalte viel günstiger«, so Faller. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit mittlerem Einkommen und einer akzeptierten Mietbelastung von 19,2 Prozent, der eine etwa 91-Quadratmeter große Wohnung sucht, seien 47 Pozent aller Angebote finanzierbar, in Hamburg nur fünf, in Frankfurt und München nur zwei Prozent. Auch im Vergleich mit internationalen Metropolen stellen sich die Wohnkosten in Berlin niedrig dar. Anders als in London, Paris, Warschau oder Prag könnten sich in Berlin auch Normalverdiener Wohnungen in guten Lagen leisten.

In einer Dienstleistungsgesellschaft werde die Finanzierbarkeit von Wohnraum zu einer entscheidenden Standortfrage, konstatierte Faller. Gut ausgebildete Leute könnten sich den Arbeitsort aussuchen. »Sie können sich glücklich schätzen, dass sie so einen günstigen Markt haben.«

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) wertete dies als Bestätigung ihrer Politik. In Berlin sei das Wohnungsangebot deutlich größer als in den Vergleichsstädten und auch für Einkommensgruppen mit mittleren und relativ geringen Einkommen »zum größten Teil finanzierbar«. Ihr Ziel sei es, dieses Niveau in allen Stadtteilen zu bewahren.

Laut Berliner Mieterverein (BMV) täuscht der Metropolenvergleich jedoch wegen des geringen Berliner Haushaltseinkommens und sei lediglich »Schönfärberei«. Am Ende stünden die Berliner Mieter doch schlechter dar, weil der Restbetrag für die übrige Lebenshaltung deutlich niedriger ist als in den Vergleichsstädten. Die durchschnittliche Mietbelastung von 17 Prozent in Berlin bei einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von 1800 Euro ist eben doch schlechter als 21 Prozent von 2800 Euro wie in Hamburg, so BMV-Geschäftsführer Reiner Wild. Die Studie sei lediglich »Arbeitsmaterial für die Berlin-Werbung«.

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